Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing baut seinen Vorstand um

Um seine Pläne für einen massiven Konzernumbau durchzusetzen, will Deutsche- Bank-Chef Christian Sewing den Vorstand wohl stärker umbauen als bisher gedacht. Bei einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats soll am Sonntag der für das Investmentbanking zuständige Garth Ritchie abgelöst werden, heißt es aus Kreisen der Bank.

Ritchies Aufgaben soll vorerst Sewing selbst übernehmen. Darüber hinaus ist nun aber offenbar auch der Verbleib von Frank Strauß in der Bank unsicher. Strauß leitet das Privat- und Firmenkundengeschäft, inklusive Postbank. Zuletzt hatte der 49-Jährige im Zuge der Verhandlungen mit der Commerzbank öffentlich Verständnis für die Arbeitnehmervertreter geäußert. Innerhalb der Bank werfen ihm viele eine zu große Nähe zu den Gewerkschaften vor. Sewing fürchte, dass Strauß den von ihm geplanten radikalen Stellenabbau von bis zu 20 000 Jobs, teilweise auch im Privatkundenbereich, nicht mittragen würde, berichten Manager des Geldhauses. Manche spekulieren, dass Strauß dem bislang glücklosen Sewing zu stark wird.

Als ausgemacht gilt, dass James von Moltke in Zukunft nicht mehr zur Führungsriege der Bank gehören wird. Der Deutschaustralier und Enkel des NSWiderstandskämpfers Helmuth James Graf von Moltke soll durch Alexander Ilgen ersetzt werden, derzeit Finanzvorstand für den Bereich Privat- und Firmenkunden. Auch Sylvie Matherat, im Vorstand zuständig für Regulierungs- und Compliance- Fragen, soll gehen. Als Nachfolgerin steht Karin Dohm bereit, die bislang den Bereich Regulatorische Angelegenheiten weltweit operativ leitete.

Mit den Personalrochaden wolle Sewing ein Team aufbauen, heißt es aus der Bank, dem er vertraut und das seine Strategie, die Bank zu verkleinern und so profitabler zu machen, bedingungslos mitträgt. „Die Kostensenkungen durch den Stellenabbau sind nötig, weil der Bank die Erträge immer noch schneller wegbrechen, als die Kosten sinken“, berichten Manager. Zugleich will sich die Bank das offizielle Plazet von den Kontrolleuren geben lassen, große Teile des US-Investmentgeschäfts zu verkaufen. Erste Gespräche dazu habe es bereits mit verschiedenen US-Banken sowie mit der französischen BNP Paribas gegeben, berichten Insider. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund fehlender Handlungsoptionen in Europa. So sind in den letzten Wochen und Monaten nicht nur die Bemühungen um eine Fusion mit der Commerzbank ergebnislos geblieben, auch der Verkauf der Fondstochter DWS an die Schweizer UBS und ein Teileinstieg der UBS bei der Deutschen Bank wurden abgesagt. „Der Deutschen Bank bleibt derzeit nur eine Möglichkeit, nämlich sich gesundzuschrumpfen“, beschreibt ein Manager, der an den Verhandlungen beteiligt ist, die Situation.