Die Deutsche Bank ist Deutschlands größtes Geldinstitut

Wie tief die Deutsche Bank gesunken ist, zeigt sich im Moment ihrer Umkehr. Vergangenen Sonntag hat ihr Chef Christian Sewing mit der Strategie der vergangenen 30 Jahre gebrochen. Er hat sich von den realitätsfremden Ambitionen seiner Vorgänger verabschiedet und drastische Einschnitte ins Investmentbanking angekündigt. Er will das Machtzentrum der Bank von London und New York nach Deutschland zurückholen und 18000 Stellen abbauen. Und doch senkten Analysten und Aktionäre den Daumen über Sewings Plan, jene also, die einst Josef Ackermann feierten, als er trotz Milliardengewinns Tausende Jobs strich, um die Rendite auf 25 Prozent zu treiben. Die Finanzmärkte haben die Deutsche Bank offenbar aufgegeben. Das ist ein alarmierendes Zeichen.

Und doch senkten Analysten und Aktionäre den Daumen über Sewings Plan, jene also, die einst Josef Ackermann feierten, als er trotz Milliardengewinns Tausende Jobs strich, um die Rendite auf 25 Prozent zu treiben. Die Finanzmärkte haben die Deutsche Bank offenbar aufgegeben. Das ist ein alarmierendes Zeichen. Der Niedergang dieser Institution sollte niemandem egal sein – weil die Deutsche Bank noch gebraucht wird, weil sie für die Schwäche des europäischen Finanzsystems steht und weil andere deutsche Konzerne aus ihren Fehlern lernen müssen. Die Deutsche Bank war einmal ein Symbol deutscher Wirtschaftskraft und Herz der Deutschland AG, jenes Netzwerks aus Industrie- und Finanzkonzernen, das die Wirtschaft nach dem Krieg wieder stark machte.

Die Globalisierung der Finanzmärkte hat dieses Netzwerk in den Neunzigerjahren aufgelöst. Fortan bestimmten angelsächsische Investoren und Investmentbanken den Takt der Weltwirtschaft und griffen die Deutsche Bank in ihrem Heimatmarkt an. Die Chefs in Frankfurt schlossen daraus, die Deutsche Bank müsse künftig wie Goldman Sachs sein. Und auch in den USA zur großen Nummer werden. Es war kein Fehler, ins Kapitalmarktgeschäft einzusteigen, das auch für deutsche Firmen immer wichtiger wird. Fatal war jedoch, wie die Führung der Deutschen Bank vorging. Sie übernahm die übelsten Auswüchse angelsächsischer Firmenkultur, stellte Wachstum über Kontrolle, verschloss die Augen vor Geldwäsche und anderen Straftaten, belohnte Gier und kurzfristiges Denken.

Zum Symbol dieses Wandels vom Anker der Deutschland AG zu einem der aggressivsten Spieler im Finanzmarkt – casino wurde die Kundenbeziehung zu Donald Trump. Als US-Banken sich in den Neunzigern längst von dem klammen Immobilienhasardeur abgewandt hatten, genoss er bei der Deutschen Bank noch den Status eines VIP-Kunden. Jetzt rächt sich dieses Gebaren. Die Deutsche Bank wollte Amerika erobern, den größten Kapitalmarkt der Welt. Heute spuckt dieser Markt sie aus. US-Behörden verfolgen den Konzern. Die Demokratische Partei dämonisiert ihn, um Trump zu treffen. Die Wettbewerber ziehen davon. Viel zu spät hat die Bank nun reagiert. Das ist vor allem ein Versäumnis von Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der sich dagegenstemmte und jahrelang falsche Personalentscheidungen traf. Deshalb musste die Bank auch immer wieder absurde Abfindungen an gescheiterte Manager zahlen, zuletzt 26 Millionen Euro an drei aussortierte Vorstände.

Die Deutsche Bank ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das sich in den USA verzockt hat. Bayer kaufte den Agrochemiekonzern Monsanto und unterschätzte auf ähnlich groteske Weise Rechtsund Reputationsrisiken sowie die Unwägbarkeiten des amerikanischen Justizsystems. Nur wenige deutsche Konzerne hatten in den USA dauerhaft Erfolg. Die Gründe sind vielschichtig, aber der Fall der Deutschen Bank zeigt: Erfolgreich kann in Amerika nur sein, wer die US-Kultur versteht, sein Fundament aber in Europa hat. Die Deutsche Bank begann 1989 ihr angelsächsisches Abenteuer, weil der deutsche Markt zu wenig Gewinn abwarf. Das lag und liegt auch daran, dass die politisch protegierten Sparkassen große Teile des Geschäfts be – herrschen.

Anders als 1989 gibt es heute die Eurozone, Europas Wirtschaft wächst zusammen. Die deutschen Banken haben davon jedoch, anders als die Industrie, nicht profitiert. Sie werden noch auf Jahre hinaus unter der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank leiden. Und darunter, dass Banken und Kapitalmärkte noch immer in jedem EU-Land anders reguliert und beaufsichtigt werden. Das spielt den US-Banken in die Hände, die ihre Kraft aus dem riesigen Heimatmarkt schöpfen und überall in der Welt ausspielen. Europa aber braucht eigene Banken, um seine Wirtschaft zu finanzieren. Alles andere wäre im Wettbewerb mit Chinas Staatskapitalismus und Trumps »America First«-Doktrin geopolitisch naiv. Deshalb sollte die Bundesregierung ihren Widerstand gegen eine Vollendung der Bankenunion aufgeben, um grenzüberschreitende Geschäfte und Fusionen zu erleichtern und so einen einheitlichen Bankenmarkt für 500 Millionen Menschen zu schaffen. Deutsche-Bank-Chef Sewing hat den ersten Schritt gemacht, um aus Trumps Hausbank wieder eine Bank für Europa zu machen – vielleicht zu spät. Eine Chance hat er nur, wenn sich auch die Politik bewegt.