DIE LIEBEN VERWANDTEN

Fünf Musikalben, die es ohne DISINTEGRATION vermutlich nicht gegeben hätte.

The Psychedelic Furs Book Of Days (1989)
Gleiches Jahr, gleicher Produzent, der Vergleich zu DISINTEGRATION liegt auf der Hand. Dabei waren die Psychedelic Furs zuvor eine deutlich ruppigere Band gewesen, dem Punk näher als dem Wave. Als sich die Band dann aber in der zweiten Hälfte der 80er am Kommerzpop verhoben hatte, brachte David M. Allen den Briten die Melancholie bei – und setzte bei Songs wie „Shine“, „Parade“ oder „Book Of Days“ auf Klänge aus dem DISINTEGRATION- Baukasten.

The Church Priest=Aura (1992)
Sänger und Bassist Steve Kilbey war ans Heroin geraten und führte The Church weg von halbwegs kommerziellen Songs, hin zu einer mysteriösen Goth-Psychedelic. PRIEST=AURA entwickelt sich langsam – und packt dann zu: „Paradox“ hat mit „I’ve got a nickname for you/ I call you weakness“ mindestens eine Robert-Smith- Gedächtniszeile; „Mistress“ führt die Stimmung von DISINTEGRATION in einen folkigen Dreivierteltakt, „Film“ ist der direkteste Gruß in Richtung The Cure – ohne Gesang.

Jimmy Eat World Clarity (1999)
2005 eröff neten die Emo- Helden eine EP mit einem Song namens „Disintegration“, der Track „23“ vom Album FUTURES war 2004 die deutlichste Hommage. Blickt man auf die LPs von Jimmy Eat World, erfüllt CLARITY alle Voraussetzungen für eine DISINTEGRATION- Verwandte. Die sehnsüchtigen Songs wie „A Sunday“ oder „12.23.95“ erzeugen einen perfekten Sog, das ewige Outro von „Goodbye Sky Harbour“ klingt wie die Rummelplatzvariante von „Closedown“.

The Amazing Picture You (2015)
Wie würde DISINTEGRATION klingen, wäre The Cure eine Band der späten 60er/frühen 70er gewesen? Die geniale schwedische Dream-Pop- Psych-Band The Amazing kombiniert Schwermut mit wirbelnden Drums und Hippie- Attitüde, „Circles“ oder „Winter Dress“ klingen wie DISINTEGRATION ohne Albträume – und was sagt uns der Albumtitel?

Klez.e Desintegration (2017)
1989 erschien DISINTEGRATION, 1989 fi el die Mauer. Tobias Siebert war damals 17, ein Teenager mit Schmerzen. Sein DESINTEGRATION kombiniert Klang und Stimmung des Cure-Albums mit seinen Jugend- und Wendeerinnerungen. Der Wedding wird zum Sehnsuchtsort, wenn es überhaupt Licht gibt, dann bedrohliche „Flammen“. Eine sehr persönliche Hommage.