Erdsonden statt Klimaanlagen: Heime rüsten sich gegen Hitze

Die Stadt Zürich und grosse private Anbieter setzen auf Erdsonden für die Kühlung ihrer Alters- und Pflegeheime. Laurina Waltersperger Ältere Menschen leiden besonders stark unter hohen Temperaturen. Bei längeren Hitzewellen steigt die Sterblichkeit. Dennoch waren bis anhin Betreiber von Pflegeheimen aus energetischen Gründen zurückhaltend mit der Installation von Klimaanlagen.

Das ändert sich nun. Allerdings setzen die Institutionen auf eine neue Technologie. So hat die schweizweit grösste Gruppe Tertianum kürzlich in Chiasso ein neues Zentrum eröffnet, das mit einer Erdsonde ausgerüstet ist. Diese spendet nicht nur Wärme im Winter, sondern absorbiert im Sommer auch Raumwärme. Es sei die nachhaltigste Methode, gegen die Hitze vorzugehen, sagt Sprecher Roger Zintl. Bei allen anstehenden Sanierungen werde nun systematisch geprüft, ob eine Sonde Sinn mache.

Auch die Stadt Zürich setzt auf Kühlung. Im Pflegezentrum Witikon ist bereits die erste Erdsonde im Einsatz, bei sechs weiteren Heimen wird eine Installation geprüft. Diese Standorte seien ohne zusätzliche Massnahmen für die künftigen hohen Temperaturen nicht gerüstet, sagt Gaby Bieri, Chefärztin des geriatrischen Dienstes der Stadt Zürich.

Ebenfalls in diese Richtung plant in der Ostschweiz die Pflegegruppe Thurvita – sowohl beim neuen Demenzzentrum, das in der Nähe von Wil entstehen wird, als auch bei einer neuen Wohnanlage. Und auch die grosse Berner Domicil-gruppe klärt die Installation von Erdsonden an mehreren Standorten ab.

In fester Absicht, das Hotel Albana in Weggis zu schliessen, sind die Verantwortlichen der Luzerner Gemeinde vor zehn Tagen vor dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1896 aufmarschiert. Begleitet wurden sie von Polizisten und Spezialisten eines Schlüsseldienstes. Ende Mai hatte der Gemeinderat ein Nutzungsverbot verhängt, weil er bei einer Begehung einige Wochen zuvor Einsturz-, Brand- und Stromschlaggefahr sowie in einigen Räumen Schimmelpilzbefall festgestellt hatte. Zu den in einem Protokoll festgehaltenen Mängeln hätten sich Eigentümer, Pächter und Betreiber nicht vernehmen lassen, steht in der Mitteilung des Gemeinderats, die er in der lokalen Wochenzeitung publizierte.

Neue Ausgangslage
Zur Schliessung kam es trotzdem nicht. Nach wie vor fahren jeden Tag Cars mit vornehmlich chinesischen Reisegruppen vor dem «Albana» vor. Eine Nacht – angeblich zu einem Preis von rund 40 Franken pro Person – verbringen diese im Hotel mit seinen 86 Zimmern, zumeist von zwei Gästen belegt. Bis zu 1000 Chinesen steigen pro Woche im «Albana» ab.

In letzter Minute wendeten die Hotelverantwortlichen die Versiegelung ab. Eigentümer Daniele Obino, der chinesische Pächter Wei Geng und der mazedonische Betreiber Afrim Baftiri überzeugten die Delegation der Gemeinde, vor der Schliessung noch einmal einen Augenschein im Haus zu nehmen. Dabei zeigte sich laut Baptist Lottenbach, der in der Weggiser Exekutive für Bau und Infrastruktur zuständig ist, dass die meisten Mängel behoben worden waren. Der Schimmelpilz sei beseitigt worden, die Betreiber hätten Brandmeldeanlagen gewartet, Stromgefahren behoben, Balkongeländer geflickt und Wände gestrichen. «Deshalb wäre es unverhältnismässig gewesen, das Hotel zu schliessen», begründet Lottenbach.

Die Unannehmlichkeiten mit dem Hotel Albana sind damit für ihn jedoch nicht aus der Welt geschafft, denn bauliche Eingriffe wurden ohne Bewilligungen ausgeführt. Nicht zum ersten Mal; früher schon hatte der kantonale Denkmalschutz wegen unerlaubter Veränderungen interveniert. Gemeindeammann Lottenbach sagt, man habe den Betreibern nun neue Auflagen erlassen.

Sorgen macht ihm auch das undurchsichtige Führungskonstrukt mit Eigentümer, Pächter und Betreiber des Hotels Albana. «Niemand will etwas mit den Problemen zu tun haben, alle schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu», sagt Lottenbach. Besonders stösst ihm auf, dass die bisherige Betreibergesellschaft kürzlich in Konkurs ging und durch eine neue ersetzt wurde – wieder mit Personen aus dem Umfeld des umstrittenen Gastronomen Afrim Baftiri. «Das ist eine Masche und hat System», sagt Lottenbach. Besonders ärgerlich ist für ihn, dass in Weggis zwei weitere Hotels von Baftiri geführt werden. Bereits im Februar hatte die «Luzerner Zeitung» berichtet, dass Gläubiger fast eine Million Franken von ihm zurückfordern.

Urs Renggli, der bei der Kantonspolizei für das Gastgewerbe zuständig ist, hält fest, dass der Konkurs der früheren Betreibergesellschaft im «Albana» keinen Einfluss auf die Wirtschaftsbewilligung für das Hotel habe. Diese werde immer auf eine Person ausgestellt. In diesem Fall ist es eine Tochter Baftiris. Dessen Anwalt lässt Fragen zum Konkurs unbeantwortet. Von baulichen Veränderungen ohne Bewilligung habe er keine Kenntnis. Was den Betrieb im «Albana» betrifft, hält der Anwalt fest, dieser laufe normal, nachdem die Gemeinde bestätigt habe, dass es keine baulichen und gesundheitlichen Risiken gebe.

Afrim Baftiri steht hinter einigen Firmen, die in der Zentralschweiz liquidiert wurden. Der 46-Jährige musste sich auch mehrmals vor Gericht verantworten. 2017 etwa verurteilte ihn das Luzerner Kantonsgericht wegen geschäftlicher Verfehlungen.

Eigentümer verteidigt sich
Keine Angaben zur Beziehung zu Baftiri macht Pächter Wei Geng. Er lässt sich nicht zu unterbreiteten Fragen vernehmen. Daniele Obino hingegen, der Eigentümer des «Albana», äussert sich zum Geschäftskonstrukt. Der Pachtvertrag mit Wei Geng besage, dass dieser für den Unterhalt besorgt sein müsse. Wenn sich der Pächter nicht an die Regeln halte, verärgere er die Behörden. «Wei Geng muss lernen, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten», sagt Obino. Er selber könne nicht viel tun, denn die ganze Hotelanlage sei langfristig verpachtet.

Noch klarer distanziert sich Obino, dessen Familie in Weggis zwei weitere Hotels gehören, von Baftiri: «Ich habe keine Geschäftsbeziehung mit ihm.» Er könne dem Pächter aber nicht vorschreiben, wer das Hotel führe. «Es ist eine unangenehme Situation für mich.» Sein Anwalt drohe nun Wei Geng mit der Kündigung, sagt Obino. «Beim nächsten Vorfall wird der Pachtvertrag aufgelöst.»