Gastherme – eine tödliche Gefahr?

Man riecht es nicht, man sieht es nicht – und gerade deswegen ist Kohlenmonoxid so gefährlich. Wie eine regelmäßige Wartung vor Unfällen mit Gasthermen schützen kann

Gasthermen sind günstig im Verbrauch, brauchen wenig Platz und sind emissionsarm. Vorteile, die für eine Installation sprechen. Die Gründe dagegen werden aber gerade im Sommer deutlich: Besonders während der heißen Tage kommt es nämlich regelmäßig zu dramatischen Unfällen mit schlecht gewarteten Geräten. Ausgerechnet in Verbindung mit mobilen Kühlgeräten entsteht durch den Sog ein Unterdruck , Abgase der Therme können nicht abziehen – eine tödliche Kombination. Tritt das geruchlose, durchsichtige Gas erst einmal aus, kann es sehr schnell Funken fangen. Um dies zu verhindern, ist eine regelmäßige Wartung unumgänglich. Und nicht nur das: Es beginnt schon beim Anschaffen des richtigen Geräts

1Welche Therme sollte ich mir anschaffen – eine Brennwertoder eine Heizwerttherme? Durch die „Ökodesign-Richtlinie“ der EU, die 2015 in Kraft getreten ist, müssen Thermen bestimmte Mindestanforderungen beim Energieverbrauch erfüllen. Bei Neuanschaffungen kommt deswegen nur eine Brennwerttherme in Frage, denn sie verbraucht im Gegensatz zu einer Heizwerttherme weniger Gas und damit weniger Energie. Außerdem wird die Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung vermindert. Denn neben der reinen Verbrennungsenergie verwendet das Gerät auch die Wärmeenergie, die bei der Kondensation des Wassers im Abgas freigesetzt wird. Eine Brennwerttherme kostet mehr in der Anschaffung, ist aber energieeffizienter. „Die Brennwerttherme wird heutzutage bevorzugt. Sie ist einfach wirtschaftlicher. Die Brennwerttherme wird mit dem Energieeffizienz Label A+ versehen, die Heizwerttherme nur mit B oder C“, sagt ein Sprecher des österreichischen Heiztechnik Unternehmens Vaillant. Das Energieeffizienzlabel reicht von rot D (sehr ineffizient) bis grün A +++ (sehr energiesparend). Eine Therme hält bis zu 15 Jahre – vorausgesetzt, sie wird regelmäßig und ordnungsgemäß gewartet.

2Muss ich eine Therme regelmäßig warten? Und was bedeutet „warten“ überhaupt? Wenn eine Therme gewartet wird, dann wird sie durchgecheckt, gereinigt und auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Eine regelmäßige Wartung ist im österreichischen Mietrechtsgesetz festgeschrieben. „Regelmäßige Wartung heißt einmal im Jahr“, heißt es bei der Firma Vaillant. Denn eine regelmäßige Kontrolle dient zur Sicherheit, besonders zum Schutz vor einer lebensgefährlichen Kohlenmonoxidvergiftung, die schnell zum Tod führen kann. Die Gefahr wird oft unterschätzt. „Wenn die Gastherme durchkontrolliert ist, passieren auch keine Unfälle.“ Außerdem reduziert sich der Energieverbrauch bei ordentlich gewarteten Geräten und in Folge die Energiekosten. Eine regelmäßige Wartung erhöht auch die Lebensdauer des Geräts selbst. Wichtig ist auch die Wahl eines kompetenten Installateurs. Vorsicht ist daher vor unseriösen Anbieter geboten, die die Wartung zum Schnäppchenpreis anbieten, aber dafür die Therme nicht ordnungsgemäß warten. Eine professionelle Thermenwartung kostet rund 120 Euro. Wenn ein Installateur den Service um nur 50 Euro oder weniger anbietet, sollte man die Finger davon lassen.

3Liegt die Verantwortung der Wartung beim Mieter oder beim Vermieter? Grundsätzlich ist der Mieter für die Wartung der mitvermieteten Therme zuständig. Er muss auch die dabei anfallenden Kosten übernehmen. „Der Mieter ist verantwortlich für die Säuberung des Geräts, sodass es betriebsbereit ist, also für das allgemeine Thermenservice“, bestätigt Christian Boschek, Wohnrechtsexperte der Arbeiterkammer Wien. Dies steht auch im Mietrechtsgesetz. „Der Vermieter hingegen muss auf die Erhaltung der mitvermieteten Therme achten, d. h. für die Reparatur und den Ersatz, also alles, was über die Wartung hinaus geht.“ Ist die Gastherme defekt, muss der Vermieter für die Behebung des Schadens aufkommen. Dafür steht der Mieter in der Beweispflicht, das heißt, er sollte beispielsweise ein Protokoll führen, in dem Außen- und Innentemperaturen dokumentiert werden. Dann kann eindeutig festgestellt werden, wer den Schaden zu beheben hat.

4Was passiert, wenn die Gastherme nicht ordnungsgemäß gewartet ist? Gibt es rechtliche Konsequenzen? Es kommt immer auf den Einzelfall an. „Wenn die Anlage schon sehr alt ist, stark verschmutzt und ein Service nie durchgeführt wurde und es deswegen zu einem Schaden kommt, besteht – überspitzt ausgedrückt – ein Schadenersatzanspruch“, sagt Christian Boschek. „In der Regel ist es aber nicht so strikt.“ Die Verpflichtungen des Mieters und Vermieters sind meistens im Mietvertrag geregelt. Jeder sollte seinen Verpflichtungen nachkommen, um zu verhindern, dass andere Bewohner der Wohnhausanlage durch eine eventuelle Fahrlässigkeit verletzte werden können.

5Was soll ich bei Gasgeruch unternehmen? Erdgas ist geruchsneutral. Um auf ein mögliches Gasleck aufmerksam zu machen, wird dem geruchslosen Gas künstlich ein Duftstoff zugefügt. Symptome einer Kohlenmonoxidvergiftung sind Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Können Sie nicht erkennen, woher der Geruch kommt, sollten Sie die Fenster öffnen und die Gasabsperrhähne schließen. Keine elektrischen Geräte benützen – selbst beim Licht einschalten oder beim Benutzen des Handys kann ein elektrischer Funke entstehen, und das Gas in der Luft kann sich entzünden. Im besten Fall sollte man die Wohnung schnellstmöglich verlassen und den Gasnotruf 128 wählen.

6Welche Alternativen zur Gastherme gibt es? Nicht nur Gasthermen sind effiziente Heizsysteme, es gibt viele verschiedene Möglichkeiten: Alternativ zu Gas kann zum Beispiel eine Pelletheizung installiert werden. Sie nützt sogenannte Pellets, zylinderförmige Pillen aus gepressten Holzresten, als Brennstoff. Die Anschaffung von 10.000 Euro aufwärts ist nicht billig, aber dafür sind die Betriebskosten geringer. Eine weitere Alternative stellt die Wärmepumpe dar. Im Vergleich zur Gastherme ist die Anschaffung einer Wärmepumpe zwar teurer. Allerdings verzichtet das Heizgerät auf fossile Brennstoffe. Die Wärmepumpe funktioniert wie ein umgekehrter Kühlschrank. Anstatt dem Raum Wärme zu entziehen, leitet das Gerät die Wärme in den Raum hinein. Eine umweltschonende und zukunftsorientierte Möglichkeit, die eigenen vier Wände zu heizen, ist außerdem eine Solartherme. Die Energie wird durch die Sonne gewonnen. Die Solartherme kann auch in Kombination mit anderen Anlagen geschaltet werden, wie zum Beispiel mit einer Pelletheizung oder einer Gasheizung. Bevor Sie sich für ein Heizsystem entscheiden, sollten Sie sich gut informieren – und in jedem Fall nicht auf die regelmäßige Wartung vergessen.