Hotspot der Raumfahrttechnik

Seit über 15 Jahren sendet die High Resolution Stereo Camera
(HRSC), die sich an Bord der europäischen Raumsonde Mars
Express befindet, spektakuläre Bilder vom roten Planeten. Die vom
Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Adlershof
betriebene, hochauflösende Stereokamera ermöglicht wichtige
Erkenntnisse über die geologische Entwicklungsgeschichte unseres Nachbarplaneten. Neuankömmling auf dem Mars ist der Marsmaulwurf HP3. Im Rahmen der Nasa-Mission „InSight“ ist der Roboter Ende November 2018 auf dem roten Planeten gelandet.
Vollautomatisch soll er sich bis zu fünf Meter tief in den Boden des
Mars graben, um Daten zum Temperaturgefälle im Untergrund zu
liefern. So wollen die Forscher das Innere des Mars und seine Vergangenheit genauer entschlüsseln. Der Marsmaulwurf wurde wie die HRSC federführend vom DLR entwickelt. Zu den beteiligten industriellen Partnern gehören auch die im Technologiepark Adlershof angesiedelten Unternehmen MAGSON Magnetische Sondierungsgeräte, Sonaca Space sowie die Astro- und Feinwerktechnik Adlershof (Astrofein).

Die beiden DLR-Institute für Planetenforschung sowie für optische
Sensorsysteme sind heute Leuchttürme am Luft- und Raumfahrtstandort Adlershof. 1994 aus dem DLR hervorgegangen, ist zum Beispiel ein Lageregelungsteststand. Kleinsatelliten lernen darin, bei
360°-Rotation im simulierten In-Orbit-Magnetfeld sowie bei Bestrahlung durch eine bewegliche künstliche Sonne, ihre jeweilige Position
und Drehrate zu bestimmen. Nur so können bei Fluggeschwindig –
keiten von 7.000 m/s Kameras und andere Sensoren präzise auf ihr
jeweiliges Ziel auf der Erde ausgerichtet werden. Neben solchen
terrestrischen Prüfständen zählen hochpräzise, vibrationsarme Reaktionsräder zu den Spezialitäten von Astrofein, wo heute 85 Mitarbeiter arbeiten – und den Forscherkollegen am DLR. Sie sind nötig, um
Satelliten zu drehen.

Auch im Bereich der optischen Systeme sind beide Partner stark.
Mit der Sonaca und ihrem breit gefächerten Angebot optoelektronischer Systeme, mit eagleyard, deren Lasersysteme regelmäßig in
Raummissionen zum Einsatz kommen, oder mit der IQ Wireless
GmbH, die auch auf Breitbandfunkverbindungen zu Klein satelliten
spezialisiert ist, haben weitere Adlershofer Unternehmen einen direkten Draht ins All.

Astrofein entwickelt extrem belastbare und nicht minder leichte
Strukturbauteile für Satelliten, die vor dem Start reihenweise knochenharte Belastungstests durchlaufen. Auf Satellitentechnik konzentriert, speziell auf Kleinsatellitensysteme mit 30-150 kg Startmasse, ist im Technologiepark Adlershof die Berlin Space Technologies
GmbH (BST). Das Unternehmen gehört damit zu den wenigen deutschen Firmen, die Satelliten komplett selbst herstellen können. LEOS
(Low Earth Orbit Satellite) heißt die Familie kühlschrankgroßer Kleinsatelliten, die bereits auf mehreren Missionen im Bereich der Erdbeobachtung, für die Funk-Kommunikation oder als Testsatellit eingesetzt wird. Auch als Zulieferer ist BST sehr erfolgreich; mehr als 50
Satellitenmissionen weltweit setzen auf Hightech Made in Berlin.

BST, 2010 gegründet, beschäftigt 30 Mitarbeiter und hat sich auf
kostengünstige Lösungen spezialisiert. „Wir arbeiten am Henry Ford
Moment der Raumfahrt, das heißt die Einführung der Serienproduktion für Satelliten“, erläutert Tom Segert, Director of Business Development und Mitbegründer von BST. Dazu baut BST eine Fabrik zur
Massenfertigung von Satelliten mit einem Joint Venture in Indien.
„Nach der Eröffnung der Fabrik Ende 2019 werden wir in der ersten
Ausbaustufe schrittweise eine Kapazität von bis zu 250 Satelliten
jährlich aufbauen, später sind bis zu 1.000 Satelliten pro Jahr möglich. Das ist ein Riesenschritt für die Raumfahrt, da die aktuelle Jahresproduktion aller Satelliten dieser Klasse weltweit bei etwa 50 bis
100 Stück liegt“, ergänzt Segert.