Jetzt gerät die Geschäftsleitung von Raiffeisen ins Visier

Langjährigen Weggefährten im Topmanagement könnte die Nähe zu Ex-Chef Vincenz zum Verhängnis werden.

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel hat diesen Mittwoch seinen Abgang per Ende Jahr bekanntgegeben. Der Schatten der Ära von Pierin Vincenz war zu gross. Gisel hat das System seines Vorgängers während 13 Jahren als Stellvertreter mitgetragen. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auf die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung. «Ich erwarte nach der Wahl von Konzernchef und Präsident auch Veränderungen im Topmanagement», sagt Kurt Sidler, Sprecher der Raiffeisen-Verbände und Präsident von Raiffeisen Luzern. «In der Geschäftsleitung amtieren viele Mitglieder bereits seit zehn Jahren. Sie sind also Teil der Ära Vincenz.» Neben Gisel sind vier der übrigen sieben Mitglieder der Geschäftsleitung langjährige Weggefährten.

Entscheidend ist, welche Schritte die Finanzmarktaufsicht (Finma) unternimmt. Die Behörde wartet die Resultate der internen Untersuchung der Kanzlei Homburger unter Führung von Bruno Gehrig ab. Der Bericht soll Ende Jahr vorliegen, inoffiziell wird der Termin der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom 10. November angestrebt. «Auf Basis einer bankinternen Untersuchung wird die Finma allenfalls separate Verfahren gegen weitere Bankmitarbeiter von Raiffeisen eröffnen», sagt der auf Bankrecht spezialisierte Anwalt Jean-Marc Schaller. «Betroffen von solchen Verfahren könnten unter anderem die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung sein.»