Kritik an Alba Berlin nach Cheerleader-Bann

Dass Basketball-Bundesligist Alba Berlin seine Cheerleader abschafft, hat eine Debatte ausgelöst – und in die schaltet sich jetzt sogar Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ein. Der auch für den Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) plädiert nun für gemischte Tänzergruppen,In den sozialen Netzwerken sprachen Nutzer unter dem Hashtag #deeplychauvinistic unter anderem von „falsch verstandener Political Correctness“ und davon, dass „Männer meinen, Frauen vorschreiben zu können, welche Art von Emanzipation diese gefälligst zu leben haben – Nichts verstanden!“.

Zwar habe die Alba Dancers das Aus nicht unvorbereitet getroffen. „Die Entscheidung, die Alba Dancers aus dem Programm zu nehmen, war ein langer Prozess, in den ich mit einbezogen war“, sagte Stix. „Die Trennung kam also nicht überraschend.“ Das Team hat sich nach 25 Jahren Vereinszugehörigkeit aber mittlerweile aufgelöst. „Die jüngeren Mitglieder sind bei befreundeten Teams oder im Friedrichstadtpalast untergekommen. Die älteren suchen sich einen neuen Sport“, sagt Stix. Alba selbst will das Cheerleading im Nachwuchs zwischen fünf und 16 Jahren weiter fördern. Die Albambinis treten aber nicht mehr bei Spielen in der Mercedes-Benz-Arena auf, sondern nur noch zu Wettkämpfen an,“Wenn die Besetzung nur mit Frauen als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird, könnten wir das verändern“, sagte der 70 Jahre alte Seehofer im Interview der „Bild am Sonntag“. Gemischte Cheerleading-Teams „verstehen es durchaus zu begeistern. Das würde auch viel stärker unsere Gesellschaft und die Zusammensetzung der Fans abbilden“.

Auch Ilse Hartmann-Tews, Leiterin des Instituts für Soziologie und Genderforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, kann die Entscheidung von Alba Berlin nicht nachvollziehen: „Die Argumentation hat mich schon sehr überrascht, weil Cheerleading mittlerweile eine hochprofessionelle Sportart ist.“ Oft gezogene Vergleiche von Cheerleadern etwa mit „Grid Girls“, die im Motorsport knapp bekleidet Startnummern hochhalten oder Pokale übergeben, weist Hartmann-Tews zurück. „Das ist wirklich etwas völlig andere Kategorie.“ In der Tat erschöpft sich Cheerleading mitnichten darin schmückendes Beiwerk zu sein oder in Anfeuerungsrufen und dem Winken mit bunten Puscheln. Vielmehr sind auch komplexe Tanzchoreographien, akrobatische Hebefiguren und Elemente des Bodenturnens Teil der Sportart. Dafür trainieren Cheerleader oft viele Stunden pro Woche,“Es ist uns bewusst, dass nicht wenige Fans die Alba Dancers vermissen werden“, erklärte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi das Streichen der Showeinlagen in den Spielpausen. Aber man sei „zu der Überzeugung gekommen, dass das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit passt“, so Baldi.

Cheerleaderin Anne äußerte sich verärgert über die Entscheidung. Bei Instagram schrieb sie: „Wer denkt, diese Entscheidung sei ‚zeitgemäß‘, hat die letzten 100 Jahre Emanzipation verpasst. Enttäuschung ist gar kein ausreichender Ausdruck für diese mehr als erbärmliche Rechtfertigung.“ So auch Miriam Krusy vom SC Unterbach in Düsseldorf, dessen Teams schon mehrfach bei der Deutschen Meisterschaft gewonnen haben und auch bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Japan dabei sind. Die Vorurteile gegen die von ihr seit acht Jahren praktizierte Sportart machen die 20-Jährige traurig: „Viele haben keine Ahnung, was Cheerleading eigentlich ist. Es geht nicht darum, Männer zu unterhalten, sondern es steckt viel mehr dahinter und ich würde mir wünschen, dass das anerkannt wird.“ Übrigens seien Auftritte bei Sportveranstaltungen, Messen, Stadtfesten und ähnlichen Events für viele Teams wichtig, um die Kosten für Wettkämpfe und Trainingslager zu finanzieren,Die Diskussion um die Auftritte junger Frauen im Rahmenprogramm großer Sportveranstaltungen ist nicht neu. Die Formel 1 sorgte mit dem weitgehenden Verzicht auf die sogenannten Grid Girls, die vor den Autos mit Startnummern posieren, für Wirbel. Auch über die Rolle der Podium Girls, die bei der Tour de France Küsschen und Preise an Radprofis verteilen, wurde in den vergangenen Jahren debattiert.