Lvz-umfrage zur Landtagswahl: CDU und AFD Kopf an Kopf, SPD im Sinkflug

LEIPZIG. Es bleibt spannend in Sachsen: Wenn am Sonntag schon Landtagswahl wäre, würde es ein Kopf-an-kopf-rennen zwischen CDU und AFD geben. Zweieinhalb Monate vor der Stimmabgabe am 1. September liegen beide Parteien laut Lvz-umfrage bei 24 Prozent.

Damit hat die CDU im Vergleich zum März an Zustimmung verloren, während die AFD hinzugewann. Das ist ein ähnliches Stimmungsbild wie bei der Europawahl am 26. Mai in Sachsen, bei der am Ende die AFD mit 25,3 Prozent an der CDU (23,0 Prozent) vorbeizog. Auch eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage der „Bild“-zeitung sieht die AFD mit 25 Prozent knapp vor der Union in Sachsen.

Für den Politikprofessor Raj Kollmorgen von der Hochschule Zittau/görlitz wird das Kopf-an-kopf-rennen zwischen AFD und CDU bis zum Wahltag andauern. „Und wie es ausgeht, hängt vor allem von der CDU ab. Die Wählerschaft der AFD ist eher robust. Demgegenüber ist die Wählerschaft der Union nicht nur pluraler und reicht von national-konservativ bis liberal, sondern sie ist auch empfindlicher“, so Kollmorgen. Und sie sei daher schneller zu verunsichern. Dies könne beispielsweise durch Äußerungen von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) passieren, die der einen oder anderen Wählergruppe nicht schmeckten.

Die Linke verliert nach der Lvz-umfrage ebenso wie die Grünen im Vergleich zum März zwei Prozentpunkte. Mit 15 und 14 Prozent haben aber beide Parteien nach derzeitigem Stand ein gleich hohes stabiles Wählerpotenzial. Damit erreichen die Grünen immer noch ein vergleichsweise hohes Niveau im Freistaat, der steile Höhenflug ist wohl erst einmal gestoppt. Sie können dem bundesweiten Aufwärtstrend aus eigener Kraft offenbar nicht folgen. Bei der Europawahl haben beide Parteien schlechter abgeschnitten. Die Linke lag bei 11,7 Prozent und die Grünen kamen auf 10,3 Prozent. Beide Parteien kommen bei der Landtagswahl-umfrage zwar auf bessere Werte, aber der Trend zeigt nach unten. Kollmorgen rechnet damit, dass die Grünen zur Landtagswahl eher bei zehn bis zwölf Prozent landen werden, die Linken etwas darüber.

Für die Umfrage der Leipziger Volkszeitung wurden vom 29. Mai bis zum
4. Juni 2019 genau 703 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte aus ganz Sachsen befragt. Die Interviews erfolgten durch die Leipziger IM Field Gmbh in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforscher Dr. Andreas Czaplicki, der die Studie leitete. Eine gleichlautende Befragung erfolgte bereits im März im Auftrag der LVZ.

Nach dieser Erhebung ist die SPD am stärksten im Abwärtstrend und driftet schon Richtung Fünf-prozent-marke. Haben die sächsischen Sozialdemokraten noch gehofft, die mageren 8,6 Prozent bei der Europawahl würden sich nicht auf die Stimmung bei der Landtagswahl übertragen, so sieht die Lage nun doch anders aus. Den Sozialdemokraten bläst ein heftiger Wind ins Gesicht, der an Schärfe gewonnen hat, als Andrea Nahles nach Angriffen von Heckenschützen aus den eigenen Reihen das Handtuch warf und vom Parteiund Fraktionsvorsitz zurücktrat. Dieses Ereignis wurde in einem Teil des Umfragezeitraumes noch mit erfasst.

Die FDP, die bei der Europawahl nur auf 4,7 Prozent kam, wäre bei der Landtagswahl mit jetzt sechs Prozent wieder im Parlament vertreten. Die Freien Wähler haben offenbar mit dem Rückenwind aus den Kommunalwahlen, die ebenfalls am
26. Mai stattfanden, ihren Stimmenanteil von zwei auf vier Prozent verdoppeln können. In den Kommunen haben sie zum Teil hohe zweistellige Ergebnisse eingefahren, wie im Landkreis Leipzig mit 44,5 Prozent in Kitzscher oder 38 Prozent in Grimma.

Mit 27 Prozent sagen zwar etwas mehr Befragte als im März, dass sie nicht zur Wahl gehen würden. Aber dass andererseits wirklich knapp drei Viertel am 1. September wählen gehen, erscheint eher unwahrscheinlich. „Seine Wahlabsicht zu bekunden ist das eine, tatsächlich zur Wahl zu gehen, das andere“, sagt dazu Studienleiter Czaplicki. Er verweist darauf, dass die Wahlbeteiligung bei der Stimmabgabe für das Eu-parlament im Mai immerhin knapp 63,7 Prozent betrug. Es ist aber schon lange her, dass eine Landtagswahl so viele Sachsen mobilisieren konnte: 2014 war die Beteiligung mit 49,1 Prozent sehr gering. „Wenn das so bleibt, dann wird es auch im September viele geben, die am Wahltag lieber etwas anderes unternehmen. Wie bei allen Wahlen ist es also entscheidend, die Menschen am Wahltag zu mobilisieren und das Potenzial auszuschöpfen“, so der Meinungsforscher.

Interessant ist abermals der Blick auf das unterschiedliche Wahlverhalten von Frauen und Männern. So wählen nach wie vor zwar mehr Männer die AFD als Frauen, aber der weibliche Stimmenanteil für die AFD ist gestiegen. Im Unterschied zur CDU: Von den Christdemokraten haben sich die weiblichen Wähler zurückgezogen. Die CDU verlor bei den Frauen und gewann bei den Männern nichts dazu. SPD und FDP werden mehr von Männern als von Frauen gewählt, bei Grünen und Freien Wählern ist es umgekehrt. Während die SPD bei den jungen Wählern zwischen 18 und 29 Jahren keinen Blumentopf mehr gewinnt, punkten Linke und Grüne in dieser Altersgruppe. Die Älteren bevorzugen CDU und AFD.