Madrid: Entdecken Sie das pulsierende Herz Spaniens

Spaniens Hauptstadt wird geliftet: mehr Grün, weniger Verkehr. Neben Evergreens wie dem weltbekannten Prado locken dynamische Stadtteile, Kulturinjektionen, klasse Tapas-Treffs, Nightlife und Entertainment satt.

Die Rooftop-Bar »The Balcony« des Hotels »Innside« bietet einen schönen Blick auf die Stadt
Die Rooftop-Bar »The Balcony« des Hotels »Innside« bietet einen schönen Blick auf die Stadt

Es ist pure Liebe für ihn: »Im Zentrum von Madrid, brauche ich kein Auto, nicht einmal die Metro. Und wenn ich ins Grüne will, gehe ich nur zwanzig, dreißig Minuten zu Fuß«, erzählt Antonio Pérez, 46. Seit zwei Jahrzehnten wohnt der aus Valencia stammende Journalist im Viertel Malasaña mittendrin im Herzen der Hauptstadt und hat all die Veränderungen erlebt, die Madrid für Besucher zunehmend reizvoller gemacht haben. Früher gab es viel Drogen, Prostitution, Kleinkriminalität, viel Schmutz. Dann setzte das Großreinemachen ein. Verrufene Gassen haben sich mittlerweile in herausgeputzte Pflaster verwandelt, Altbauten in renovierte Schmuckstücke. Seit Anfang dieses Jahres verbannt Madrid das Gros des Verkehrs aus der Innenstadt, die Luft ist merklich sauberer geworden. Parallel sind in den letzten Jahren immer mehr Gärten erwachsen. »Die Stadtplanungen in Madrid waren schon immer bekannt für viele Grünflächen«, weiß der in Madrid lebende Ökonom Ignacio Orlando. Ein Mammutprojekt war die Anlage des kilometerlangen Flussparks Madrid Río, für den die dortige Stadtumgehung unter der Erde verschwand. Oberirdisch wurden Wege, Wiesen und Fußgängerbrücken angelegt, über 30.000 Bäume und eine halbe Million Sträucher und Gewächse gepflanzt. Ebenso wenig zu kurz gekommen ist die Kultur. So erstrahlt das vormalige Gelände des Großschlachthofs im Viertel Legazpi als zeitgenössisches Kulturzentrum »Matadero«.

Von Madrids neuen Seiten profitieren nicht zuletzt die Besucher. Konstanten beim Citytrip sind natürlich auch die klassischen Ziele. Da sind Kunstmuseen wie der Prado, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag mit großen Ausstellungen feiert. Da sind die Altstadt, Tapas-Kneipen, Musicaltheater, das Nachtleben in Vierteln wie Chueca. Die Zahl der Stadtbesucher steigt und steigt, mittlerweile sind es über 20 Millionen Übernachtungen jährlich. Der Nachfrage entsprechen neue Spitzenhotels wie das »VP Plaza España Design« an einem der emblematischsten Plätze, dem Plaza de España. Auch dort wird es in Zukunft mehr Grün geben. Und rundherum werden Fahrstreifen reduziert, Bürgersteige verbreitert, Radwege geschaffen. »Madrid reloaded«, das wird auch die überraschen, die Spaniens Hauptstadt von früher kannten. Nur montags ist ein müder Tag, dann haben manche Monumente und Museen geschlossen. So wie früher.

ALTSTADT & EVERGREENS
Welch eine Traumkulisse! Der Plaza Mayor ist ein in sich geschlossenes Rechteck mit Arkaden, Balkonreihen, Laternen, Restaurantterrassen – und einer der stimmungsvollsten Plätze Spaniens. Ab hier schlendern Sie gemütlich durch das alte Viertel der Dichter und Denker (Barrio de las Letras), ein anderweitiges Stück durch die Altstadt bringt Sie bis zum majestätischen Doppel aus Kathedrale und Königspalast.

Straßencafés am Plaza de la Paja in La Latina
Straßencafés am Plaza de la Paja in La Latina

Klassiker ist die Museumsmeile mit den großen Drei, für die es das Kombiticket »Paseo del Arte« (€ 29,60) gibt: Prado, Thyssen-Bornemisza und Reina Sofía. Alles an einem Tag geht nicht. Allein der Prado ist eines der besten und größten Kunstmuseen Europas. Da brauchen Sie Kondition, um die Werke von Velázquez, El Greco, Rubens, Goya auf sich wirken zu lassen. Im Reina Sofía (Di geschl.) läuft alles auf Picassos monumentales Antikriegsgemälde »Guernica« zu, im Thyssen-Bornemisza begeistert die Abfolge von Weltstars wie Monet, van Gogh, Gauguin, Kandinsky, Dalí. Ein versteckter Prado in Kleinformat mit intimeren Sälen ist das Museum der Kunstakademie San Fernando in der Calle Alcalá 13 (Montags und im August geschl.). Genug der Kunst. Shoppingzonen finden Sie um die Calle del Arenal und die Gran Vía, dazu Madrids beste Musicaltheater: das Lope de Vega in der Gran Vía 57 (»König der Löwen« ab € 22) und das EDP Gran Vía in der Gran Vía 66. Zu Drinks und Delikatessen trifft man sich abends nahe dem Plaza Mayor im Mercado de San Miguel, einer umgebauten Markthalle am Plaza de San Miguel; ein Bier kann hier allerdings € 3,40 kosten, eine Portion russischer Salat € 11. Am Plaza de Santa Ana herrscht beste Kneipen- und Freiluftstimmung; in der »Cervecería Alemana« (Hausnummer 6; Di. und Aug. geschl.) kehrte schon Hemingway gerne ein; die Portion Calamares kostet € 10,50, ein halbes Dutzend Kroketten € 6,75. Bekannt für Livekonzerte von Blues bis Rock ist das Café Central (Plaza del Ángel 10; tgl. ab 21 Uhr, Eintritt ab € 13; www. cafecentralmadrid.com). Dauerbrenner ist die Diskothek Joy Eslava (Calle del Arenal 11, Eintritt u. 2 Drinks € 16, http://joy-eslava.com), auch mit Live-Acts.

Regenbogenfahnen wehen an zahllosen Hauswänden in der LGBT-Hochburg Chueca
Regenbogenfahnen wehen an zahllosen Hauswänden in der LGBT-Hochburg Chueca

MALASAÑA, CHUECA, LA LATINA – FACETTENREICHE STADTVIERTEL
»Jedes Viertel in Madrid ist ein Mikro-Universum. Wenn ich in ein anderes Viertel gehe, ist das für mich fast schon Ausland«, sagt Antonio Pérez und lacht. MALASAÑA, wo er lebt und mit Somos Malasaña ein Digitalmagazin zu seinem Stadtteil herausgibt, ist eines der angesagtesten und authentischsten Viertel mit ausgeprägtem Nachtleben. Madrilenen gehen spät los: Die Bars und Clubs in den Gassen füllen sich meist erst nach Mitternacht. Rund um den zentralen Plaza del Dos de Mayo, wo ein Denkmal an den Aufstand der Bevölkerung gegen die napoleonischen Truppen erinnert und sich heute der Madrider Nachwuchs auf Kinderspielgeräten austobt, gibt es viele Openair- und Tapas-Treffs. Abends geht man zu Livekonzerten mit Liedermachern oder Jamsessions ins »BarCo« (Calle del Barco 34, www.barcobar.com) oder ins »Café La Palma« (Calle de la Palma 62, www.cafela palma. com), das bei Konzerten ebenfalls eine riesige Bandbreite auffährt. Beliebt ist auch ein Flamenco-Spot: das Teatro Flamenco Madrid (Calle del Pez 10; Eintritt Show € 25; www.tea troflamencomadrid.com).

Straßenkneipe im Szeneviertel Lavapies
Straßenkneipe im Szeneviertel Lavapies

CHUECA, das für den eingefleischten Madrider Ignacio Orlando früher wegen des Drogenmilieus »grauenhaft« war, hat sich längst zu einem Trendviertel gemausert. Hier hat eine bewegte Gayszene Fuß gefasst, hier liegt die Keimzelle der frühsommerlichen LGBT-Festwoche Madrid Orgullo (28.6.–7.7.19). Eine populäre, bodenständige Einkehradresse ist die »Taberna El Buo« in der Calle Gravina 4 mit sagenhaften Omelettes ab € 11,70. In der Calle de Augusto Figueroa geht es äußerst geschäftig zu; außerdem lockt das Marktgebäude desMercado de San Antón mit schickem Fingerfood in den Gastrobars und ganz oben mit der Restaurant-Bar »La Cocina de San Antón« (Cocktails € 6-10,50, Pilzrisotto € 11, Schinkenportion € 24,50). Für einen Drink trifft man sich auch gerne auf dem Plaza de Chueca. Jazzkonzerte steigen im »Bogui« (Calle Barquillo 29, http://bogui.es), Live-Acts und DJs gibt’s auch in der »Intruso Bar« (Calle de Augusto Figueroa 3; www.intrusobar.com). LA LATINAist ein weiteres polyglottes, offenes Viertel mit alternativer Ausgehkultur. Ebenso wie in Chueca und Malasaña sind wichtige Museen und Monumente auch hier Fehlanzeige. Dafür zieht es halb Madrid sonntags auf den Rastro, den gigantischen Trödel- und Allerleimarkt. Hier finden Sie Ramsch, Raritäten, Neuwaren, Kitsch: ob Gitarren, verrostete Bügeleisen, ausrangierte Kameras, Flamencokleider, Shorts oder Shirts. Der Rastro ist gleichermaßen ein gesellschaftliches Event mit Livemusik und Kneipeneinkehr (9–14:30 Uhr; um die Calle de la Ribera de los Curtidores).

HINAUS INS GRÜNE
Es duftet nach Kiefern und Lavendel. Vögel zwitschern. Die Sonne siebt Schatten durch die Blätter und zeichnet Muster auf efeuumrankte Baumstämme. Wiesen und Blütenmeere leuchten um die Wette. Enten und Möwen tummeln sich im Wasser. Pure Natur. Im Flusspark Madrid Río fühlt man sich nah dran und doch weit weg von der Stadt. Hier kann man spazieren, radeln, rasten, sich bei Joggingrunden und auf Inlinern auspowern. Der Park zieht sich am Río Manzanares entlang, es gibt sogar einen »Strand« (Playa). Besonders schön gestaltet sind die breiten Abschnitte zwischen den Brücken Toledo und Matadero.

Musiker beim populären Festival »Cabaret Flotante« im Park Casa de Campo
Musiker beim populären Festival »Cabaret Flotante« im Park Casa de Campo

Nach dem Kunstmarathon im Pradokönnen Sie nebenan im Botanischen Garten tief durchatmen. Oder Sie streifen durch den nahen Stadtpark Retiro, eine Mega-Oase mit Wegenetz,Rosengärten, Brunnen, Cafés und zentralem See mit Bötchenverleih. Unter den 15.000 Bäumen sind Zypressen und Zedern ebenso vertreten wie Kastanien und Sequoias. Der größte Park liegt im Westen der Stadt: der Casa de Campo. Ein Erlebnis ist der Schwebeflug dorthin in der Seilbahn (Teleférico; www.telefericomadrid.es; € 6 retour ab dem Paseo del Pintor Rosales), nicht zuletzt wegen der Aussichten auf die Madrider Skyline. Falls Sie mit der Metro bis zur Station Lago fahren, können Sie am großen See entlang spazieren, dem Lago de la Casa de Campo.

Dienstags ab 14 Uhr kommt man gratis in den Botanischen Garten
Dienstags ab 14 Uhr kommt man gratis in den Botanischen Garten

Wunderschön ist der Jardín El Capricho, ein historisch-künstlerischer Landschaftsgarten abseits der Mainstreams am Madrider Nordostrand (von der Metrostation El Capricho ca. 600 m zu Fuß; nur Sa/So, Eintritt frei).

FÜNF DINGE, DIE NICHT JEDER KENNT

BOTANISCHER GARTEN IM BAHNHOFÜ
berraschung, Tropenexotik mitten in der City! In der alten Bahnhofshalle Atocha fahren keine Züge mehr, dafür wuchert das Grün eines botanischen Indoor-Gartens.

THEATERKULISSEN
Das Königliche Theater (Teatro Real) bietet Spezialführungen hinter die Kulissen an. Je nach Besuch – Schwerpunkt Technik (€ 16) oder Künstlerisches (€ 12) – geht’s zu hydraulischen Systemen und Bühnenplattformen,Kleiderdepots, Kulissenbauten. www.teatro-real.com.

CALAMARES-BROT Für Madrider ein Hochgenuss: ein Stück Baguette mit frittierten Tintenfischringen (Bocata de calamares). Ein echter Sattmacher! Gibt’s für € 3 in der Bar »La Campana « (Calle Botoneras 6). Auch die »Bar Postas « (Calle de Postas 13) ist dafür bekannt. KLOSTERSCHÄTZEHinter hohen Mauern verbergen sich zwei reich ausstaffierte Klöster mitten in der City. Das Kloster Descalzas Realesam Plaza de las Descalzas beeindruckt mit besonders prächtigen Decken- und Wandmalereien. Eintritt € 6, für EU-Bürger Mi und Do 16–18:30 Uhr frei. Rechtzeitig da sein! ZARZUELA Das operettenähnliche Singspiel Zarzuela ist typisch spanisch. Dafür gibt es sogar ein eigenes Theater: das Teatro de la Zarzuela in der Calle de Jovellanos 4 (http://teatro delazarzuela.mcu.es). Tickets ab € 18.