Märchenhafte Felsen, tiefe Schluchten

Hoch aufragende Felstürme, romantische Rad- und wunderbare Wanderwege: Der Nationalpark Sächsisch-Böhmische Schweiz ist perfekt für Aktivurlauber und all jene, die sich nach Stille und Entschleunigung sehnen.

Ringsum ragen bizarre Felstürme auf. 200 Meter tiefer schlängelt sich die Elbe scheinbar lautlos durch die Landschaft. Der Aussichtspunkt auf der Bastei ist zu Recht mit fast zwei Millionen Besuchern jährlich die beliebteste Sehenswürdigkeit der Sächsischen Schweiz. Schon Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich besuchten diesen Ort, hielten die einzigartige Landschaft in ihren Gemälden fest und machten so die Naturschönheit bekannt. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich der Name. Denn mit dem Land Schweiz hat die Region gar nichts zu tun. Vielmehr ist „Schweiz“ in Deutschland auch ein Synonym für eine besonders idyllische Landschaft. Rund 400 Kilometer markierte Wanderwege verlaufen durch den Park. Daphna Zieschang ist Nationalparkführerin und Diplombiologin. Sie kennt auch jene Pfade, auf denen nur wenige Menschen unterwegs sind. Und sie weiß über die Tiere, die in dieser Region leben, Bescheid. Es sind Hunderte unterschiedliche Arten, darunter Eisvögel und Wanderfalken, die 1989 wieder angesiedelt wurden. Durch die Schluchten Von der Bastei führt ein Weg rund 900 Stufen hinab durch die Schwedenlöcher. „Tiefe, enge Schluchten werden auch Löcher genannt“, erklärt Zieschang. Den Namen bekam dieser Ort, da sich hier während des 30-jährigen Krieges, als die Schweden durchzogen, viele Menschen versteckten. Entstanden ist die Schlucht durch die Erosion des Sandsteins.

Das Elbsandsteingebirge verändert sich durch Verwitterung stetig. Es kommt daher immer wieder vor, dass massive Felsteile abbrechen und Wege oder Kletterfelsen gesperrt werden. Sogar an heißen Sommertagen ist es auf den Pfaden zwischen den Sandsteinfelsen angenehm kühl. Das sogenannte Kellerklima sei dafür verantwortlich, erklärt die Biologin. Kaum Sonneneinstrahlung und wenig Luftbewegung sorgen für tiefere Temperaturen und höhere Feuchtigkeit. Daher wachsen hier über 350 unterschiedliche Moosarten und 400 unterschiedliche Flechten.

Wanderfalke und Forststeig
„Wer die Besonderheiten des Nationalparks entdecken will, muss auch links und rechts des Weges schauen“, sagt Nationalparkführer Ralf Schmädicke. Er bietet unter anderem Wanderungen durch die Wehlener Gründe an. Auch dieser Weg führt durch beeindruckende Schluchten mit den für den gesamten Nationalpark so typischen Felsformationen. Dazwischen ragen bis zu 50 Meter hohe Bäume empor und versuchen, so ein bisschen Sonnenlicht zu bekommen. Die einzelnen Gebiete haben Namen wie Höllengrund und Teufelsküche. „Das sagt etwas über das Empfinden aus, das die Menschen früher beim Betreten dieser Wildnis hatten“, erklärt der Nationalparkführer. Doch irgendwann sei „aus dem Entsetzen Entzücken geworden“. Und aus der gefürchteten Wildnis ein wunderbarer Erholungsraum.

Öko-Dorf Schmilka
Es gibt kurze und leichte Wanderungen im Nationalpark, aber auch sehr anspruchsvolle, die als Bergpfad gekennzeichnet sind und nur von Geübten begangen werden sollten. Es gibt außerdem etwa 27.000 Kletterrouten an 1.135 unterschiedlichen Felsen, und vergangenes Jahr wurde eine Trekking-Tour eröffnet. Der Forststeig führt 100 Kilometer sowohl durch die Sächsische Schweiz als auch durch den tschechischen Teil des Nationalparks, die Böhmische Schweiz. Übernachtet werden kann auf Biwakplätzen oder in kleinen Hütten entlang des Weges. Direkt an der Grenze zu Tschechien liegt der kleine Ort Schmilka mit 78 Einwohnern. Sven-Erik Hitzer hat sich zum Ziel gesetzt, daraus ein Bio-Dorf zu machen. 1992 erwarb er die Mühle in der Ortsmitte. Mittlerweile bietet er 150 Betten in unterschiedlichen Gebäuden des Orts an. „Wir legen großen Wert auf Wohnund Schlafgesundheit. Unsere Zimmer sind elektrosmogfrei, die Wände sind mit Naturfarben gestrichen und die Möbel aus frischem, unbehandelten Holz“, sagt Unternehmer Hitzer.

Im Ort gibt es eine eigene Bio-Brauerei und eine Bäckerei, die ebenfalls rein biologische Produkte anbietet. Zentraler Treffpunkt für die Gäste ist der Dorfplatz mit der schattenspendenden Kastanie in der Mitte. Dort können sich auch Wanderer, die durch Schmilka kommen, an den frischen, regionalen und ökologischen Speisen stärken. „Wir gehen auch auf jeden Wunsch ein. Egal, ob mit oder ohne Fleisch oder ob jemand eine Unverträglichkeit oder Allergie hat“, so Hitzer

Spezialität Krautwickel
Lange gab es keine typische Speise der Nationalparkregion. Das änderte sich im Jahr 2015. Denn auf der Suche nach einer Speise, die regional verankert ist, kam man auf den Krautwickel. „Wichtig war es, dass man alle Zutaten das ganze Jahr über regional einkaufen kann“, sagt Martin Wehler, Chefkoch des Elbhotels. Sein Krautwickel wurde zum besten der Sächsischen Schweiz gekürt. Das Rezept dafür, sagt er, stamme von seiner Oma. Noch besser schmeckt die regionale Spezialität, wenn sie auf der Wirtshaus- Terrasse genossen wird – mit Blick auf die eindrucksvollen Sandsteinfelsen und die Elbe, deren Rauschen von hier ganz deutlich zu hören ist.