Post will Paketpreise für Zalando und Co. erhöhen

Um den vom Onlinehandel ausgelösten Paketboom zu bewältigen, investiert die Post Millionen. Weil sie die Effizienz kaum noch steigern kann und Lohnsenkungen tabu sind, sollen die Preise steigen.von Christian Hermann

Der Onlinehandel boomt, die Paketmenge wächst seit Jahren stark. Die Post muss in den nächsten Jahren über 200 Millionen Franken investieren, um den vom Onlinehandel ausgelösten Paketboom zu bewältigen. Gleichzeitig hat sie ihre Dienstleistungen ausgebaut und die Zustellung am Abend, am Samstag und am Sonntag eingeführt.

Dafür will die Post nun honoriert werden. «Wir möchten leichte Preiserhöhungen einführen», sagt Postlogistics-chef Dieter Bambauer. Diese geplante Anpassung betrifft nicht die Pakete, die von Konsumenten verschickt werden. Diese machen heute nur noch einen kleinen Teil des Paketvolumens aus. Angehoben werden sollen vielmehr die Tarife für die Geschäftskunden. Versandhändler wie Zalando oder Amazon verschicken übers Jahr Millionen von Paketen.

Bambauer will sich nicht zur Höhe der geplanten Anpassung äussern. Wie viel die Konsumenten davon merken könnten, ist ebenfalls offen. Den Versandhändlern ist es selbst überlassen, welche Preise sie den Kunden für die Lieferung verrechnen.

Der Onlinehandel boomt, die Paketmenge wächst seit Jahren stark. Das hat Folgen für die Post. Sie kann das immer grössere Volumen mit ihrer bestehenden Infrastruktur längerfristig nicht mehr bewältigen. Vor einiger Zeit hat sie darum angekündigt, drei neue, regionale Paketzentren in Cadenazzo (TI), Vétroz (VS) und Untervaz (GR) zu bauen. Kostenpunkt: 190 Mio. Fr. Anfang Juni gab sie bekannt, in Ostermundigen (BE) ein weiteres, kleineres Paketzentrum einzurichten. Kosten für den Ausbau des bestehenden Standorts: 8 Mio. Fr.

Von diesen kleineren Paketzentren dürfte es in Zukunft noch einige weitere geben. Sie sollen die Transportwege verkürzen, was Zeit und Kosten spart, wie Postlogistics-chef Dieter Bambauer erklärt.

Doch es steigen nicht nur die Volumen und die Investitionen. Die Post bietet auch immer neue Dienstleistungen an. Empfänger können online steuern, wann, wo und wie sie ihre Pakete erhalten wollen. Die Post führte die Zustellung am Abend, am Samstag und am Sonntag ein. Und an einer stetig wachsenden Zahl von Paketautomaten können Sendungen gar rund um die Uhr abgeholt werden.

Preis soll steigen
Deshalb will die Post nun an den Paketpreisen schrauben. «Wir möchten leichte Preiserhöhungen einführen», bestätigt Bambauer. Diese geplante Anpassung betrifft nicht die Pakete, die etwa von Konsumenten persönlich verschickt werden. Sie machen heute nur noch einen kleinen Teil des Paketvolumens aus. Sondern die Tarife für die Geschäftskunden. Versandhändler verschicken übers Jahr teilweise Millionen von Paketen.

Bambauer wird die angedachte Preisanpassungen nun mit den Geschäftskunden besprechen. Er äussert sich nicht dazu, wie hoch sie sein sollen. Es dürfte sich aber um eine einstellige Prozentzahl handeln. Wie viel die Konsumenten davon merken könnten, ist offen. Den Versandhändlern etwa ist es selbst überlassen, welche Preise sie den Kunden für die Lieferung verrechnen.

Die britische Post erhöhte die Paketpreise kürzlich um 4,5%. Nimmt man diese Erhöhung zum Massstab, würden sich die Geschäftskundenpreise für ein Priority-paket bis 2 Kilogramm von Fr. 8.36 auf Fr. 8.74 erhöhen. Für ein Economy-paket wäre es ein Anstieg von Fr. 6.50 auf Fr. 6.79. Ab einer gewissen Umsatzgrösse erhalten Geschäftskunden auf diesen Tarifen Rabatte.

Es gibt neben den hohen Investitionen und dem Ausbau der Leistungen noch weitere Gründe, weshalb eine Preiserhöhung laut Bambauer nötig ist. Einer davon sind die Arbeitsbedingungen. Das abschreckende Beispiel ist für ihn Europa. «Die Anstellungsbedingungen für Transporte auf der letzten Meile in Europa sind ein Skandal», sagt er. Der Beruf werde völlig unterschätzt: Die Paketzustellung sei ein Handwerk, jeder Zusteller fälle jeden Tag Dutzende Entscheide, um seine Pakete bestmöglich ans Ziel zu bringen. «Die dafür nötige Fähigkeit wird in Europa nicht richtig entschädigt», sagt er.

Eine kürzlich publizierte Untersuchung der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeichnet ein bedenkliches Bild der Situation in unserem Nachbarland. Die rund 1,2 Mio. Angestellten in der Logistikbranche sind «seltener mit ihrer Arbeit zufrieden und berichten häufiger über gesundheitliche Beschwerden als Beschäftigte anderer Berufe», heisst es dort. Eine Folge: In Deutschland fehlen Zehntausende Fahrer. «Das überrascht mich angesichts der dort bezahlten Löhne nicht», sagt Bambauer.

In der Schweiz ist die Situation laut Bambauer zwar noch immer deutlich besser. Allerdings besteht zwischen der Post und ihren Konkurrenten im Paketmarkt ein deutlicher Unterschied. Laut Bambauer liegt der Mindestlohn der Post 30% höher als jener bei der Konkurrenz. «Bisher konnten wir diese Preisdifferenz auffangen, indem wir immer effizienter wurden», erklärt er. Doch nun sei das Ende der Fahnenstange erreicht, die Effizienzmassnahmen seien zunehmend ausgeschöpft und gleichzeitig hohe Investitionen nötig. Eine Reduktion der Saläre kommt für Bambauer jedoch nicht infrage.

Welche Auswirkungen der Paketboom auf die Logistik hat, zeigt sich am Weihnachtsgeschäft. Dieses beschränkte sich jahrzehntelang auf weniger als einen Monat. Die Post bewältigte die hohen Volumen zum Beispiel mit zusätzlichen temporären Mitarbeitenden.

Doch nun dauert das Weihnachtsgeschäft immer länger, Aktionen beginnen immer früher. Der sogenannte Black Friday bringt bereits Ende November ein gewaltiges Volumen. Nach Weihnachten sorgen dann unter anderem die Retouren für einen Paketberg. «Die Ausdehnung der Hochsaison bringt uns einen deutlich höheren Aufwand», sagt Bambauer.

Der Schweizer Paketmarkt dürfte weiter stark wachsen. Laut einer Studie des Unternehmensberaters Mckinsey bestellen Schweizerinnen und Schweizer pro Kopf im Schnitt 9 Pakete bei Onlinehändlern. In Deutschland sind es 24, in Grossbritannien 22 und in den USA 21 pro Jahr.

Kein Preiskampf mehr
Manche Transportunternehmen haben sich bereits vom gnadenlosen Preiskampf abgewendet. Ein Beispiel ist das Familienunternehmen Planzer. Es liefert ebenfalls Pakete aus, will aber nicht Preisbrecher sein, sondern vor allem qualitätsbewusste Geschäftskunden ansprechen.

Auch Bambauer ist überzeugt: Die Empfänger würden etwas mehr zahlen, wenn sie sich sicher sein könnten, dass Service und Arbeitsbedingungen stimmen.

Darauf deutet auch der missglückte Markteintrittsversuch der Deutschen Post DHL in der Schweiz hin. Der Konzern unterbot die Preise der Schweizerischen Post zwar – doch das Unterfangen blieb bald stecken, weil die Privat- und Geschäftskunden offenbar keinen Grund sahen, für diese Ersparnis zu einem Konkurrenten zu wechseln.

Zwar redet heute alles von einer immer noch schnelleren Zustellung, am liebsten am gleichen Tag oder gar nur wenige Stunden nach dem Kauf. Doch in Tat und Wahrheit ist das Bedürfnis nach solchen Dienstleistungen in der Schweiz noch relativ klein. Die Empfänger wollen eher mehr Qualität denn mehr Schnelligkeit.

Darum beschäftigt sich die Post zwar intensiv mit Themen wie der Lieferung am gleichen Tag. Noch stärker setzt sie aber darauf, die Pakete immer genauer zu steuern – also dafür zu sorgen, dass die Kunden die Sendung beim ersten Versuch bekommen und nicht eine Abholeinladung im Briefkasten finden.

Doch was passiert, wenn die Post die Paketpreise erhöht und Kunden dann zur günstigeren Konkurrenz abwandern? «Das ist das Risiko des Marktführers», sagt Bambauer. Aus seiner Sicht ist die Qualität der Paketdienstleistung der Post sehr hoch und ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. «Aber ich bin überzeugt: Konsumenten, Onlinehändler, Politik und Sozialpartner werden dafür sorgen, dass der Lohndruck nicht immer weiter zunimmt. Weil das langfristig für niemanden nachhaltig ist.» Soso. Facebook will mit der neuen Digitalwährung Libra also Milliarden von Menschen befähigen – wie die Firma sagt. Ist sie nicht eher dafür bekannt, die Daten ihrer Nutzer auszubeuten? Und die Feinde der Demokratie und die Gegner der Wahrheit zu befähigen?

Aber der Reihe nach: Facebook hat diese Woche angekündet, zusammen mit 99 gleichberechtigten Partnern eine Digitalwährung namens Libra aus der Taufe heben zu wollen. Mit ihr soll man zu geringen Kosten grenzüberschreitend zahlen können.

Es handelt sich um ein Vollgeldsystem. Das heisst, die Libra, die im Umlauf sind, müssen immer zu 100% durch herkömmliches Geld gedeckt sein. Dieses wird gemäss einem Währungskorb angelegt. Die Erkenntnis, dass sich Kryptowährungen als Zahlungsmittel vor allem dann eignen, wenn sie sich eins zu eins am Wert herkömmlicher Währungen orientieren, hat sich in den letzten Monaten immer mehr durchgesetzt. Denn bei der Mutter aller Kryptowährungen, Bitcoin, wirken die immensen Wertschwankungen abschreckend.

Libra wird in einer Genfer Stiftung verwaltet, bei der jeder der bisher 27 Partner gleich viele Stimmrechte hat. Zu diesen gehören Internetfirmen wie Ebay oder Uber, Telekomriesen wie Vodafone, Risikogeldgeber, Kreditkartenfirmen oder Nichtregierungsorganisationen. Um mitmachen zu können, muss man 10 Mio. $ an den Tisch bringen. Angesichts der vielen grossen Namen ist es vielleicht zielführender, die grossen Abwesenden zu benennen: Banken und Facebooks wirkliche Rivalen: Amazon, Apple, Google, Microsoft und die chinesischen Technologiekonzerne.

Wer Experten fragt, was Facebook mit Libra wirklich bezweckt, wird just auf die Chinesen verwiesen: «Alibaba und Tencent haben vorgemacht, wie man Messengerdienste, E-commerce und Bezahldienste erfolgreich zusammenführt», sagt Oliver Bussmann. Er war früher unter anderem Innovationschef der UBS und betreibt heute ein BlockchainBeratungsunternehmen, das seinen Namen trägt. «Facebook will dieses Modell nicht nur kopieren, sondern dabei gleich noch eine Stufe überspringen – indem sich die Firma die 1 bis 3% Marge spart, die bei den Kreditkartenfirmen hängenbleiben», sagt Bussmann.

Mehr als Werbung
Der Konzern, der bisher nur von Einkünften aus dem Werbegeschäft lebt, versucht schon seit längerem, seine Kommunikationsdienste Whatsapp und Facebook Messenger zu kommerzialisieren. Dies, indem er sie in einigen Ländern mit Bezahlfunktionen versehen hat und auch anderen Firmen zur Verfügung stellt. In den USA kommunizieren etwa Burger King oder Bank of America per Messenger mit ihren Kunden – natürlich nicht in einer Menschzu-mensch-interaktion, sondern über Chat-bots.

Doch der grosse Erfolg lässt auf sich warten. Wechat vom chinesischen Internetriesen Tencent bleibt die unerreichte Superapp, die Messaging, E-commerce und Bezahlen vereint. Wer auf seinem Smartphone Wechat installiert hat, kann in China sein Portemonnaie getrost zu Hause lassen. Tencent wird von der Börse übrigens mit 426 Mrd. $ bewertet.

Es würde erstaunen, wenn Facebook nicht dieses Vorbild vor Augen hätte. Zumal auch andere Akteure sich in diese Richtung bewegen: «Zufall oder nicht: Auch der beliebte Messengerdienst Telegram hat gerade eine eigene Kryptowährung angekündet, die im Juli lanciert werden soll», sagt Daniel Diemers, Partner und Blockchain-spezialist beim Beratungsunternehmen PWC Strategy&. «Um dieses digitale Zahlungsmittel und den Messengerdienst herum soll ein ganzes Ökosystem entstehen.»

Diemers verweist auch darauf, dass Facebook mit Marketplace de facto schon erfolgreich ins ECommerce-geschäft eingestiegen ist. Auf Marketplace kann man auch in der Schweiz sein Velo oder Bett zum Verkauf ausschreiben oder eine Ferienwohnung zur Vermietung. Auch bei der Kommerzialisierung von Instagram könnte Libra entscheidende Dienste leisten. Diese für junge Menschen unerlässliche Socialmedia-plattform gehört ebenfalls zum Facebook-universum.

Wenn ein Instagram-star für eine Handtasche oder ein Kosmetikprodukt schwärmt, kann man diese Artikel künftig gleich auf Instagram kaufen – mit Libra. Nicht zu vergessen Oculus, die unterschätzte Virtual-realityPlattform von Facebook. Gaming bezahlt man am besten online.

Ein E-commerce-riese?
Für Diemers ist klar: «Entscheidend für den Erfolg von Libra werden nicht wir Mittvierziger sein, sondern vor allem die Generation Z und Menschen in Entwicklungsländern: Wenn man 20 ist oder in Nairobi wohnt, hat man sehr wahrscheinlich ganz andere Prioritäten als den Datenschutz.»

Möglicherweise werden viele dieser Menschen gar nie bei einer Firma angestellt sein, sondern ihre Dienste über eine Internetplattform anbieten, wie der Blockchain-experte zu bedenken gibt. «Wenn man in der Gig-economy arbeitet und mit Libra bezahlt wird, nutzt man diese Währung dann wohl gleich wieder für die Bezahlung von Dienstleistungen im gleichen Ökosystem. Da sehe ich mittelfristig viel Potenzial.» Kurz: Kommt Libra zum Fliegen, könnte sie entscheidend dazu beitragen, dass Facebook zum E-commerce-riesen mit einem noch viel mächtigeren Ökosystem wird – und ganz nebenbei noch gigantische Mengen an Kundendaten sammelt.

Im Zahlungsverkehr jedoch liegt per se wenig Wert – zumal, wenn er quasi gratis sein soll. Dass bei Libra keine Banken an Bord sind, hat wohl weniger damit zu tun, dass diese sich direkt angegriffen sehen. Sie wissen einfach am besten, welche regulatorischen Schwierigkeiten nun auf Facebook und Co. zukommen.

«Alle Banken machen derzeit einen grossen Bogen um Kryptowährungen», sagt Bussmann. Denn sie wüssten, dass es an der Schnittstelle zwischen Fiatgeld und Kryptowährungen sehr gefährlich werde – also immer dann, wenn herkömmliches Geld in Digitalwährungen getauscht wird und umgekehrt: «Die Regulatoren sehen da wegen der Geldwäschereigefahr sehr genau hin und werden im Zweifelsfall empfindliche Strafen aussprechen. Auch das Reputationsrisiko ist immens.» Aber dieses Risiko hat Facebook bekanntlich noch nie davon abgehalten, etwas zu tun.