Sachsen 2060: Halbe Million weniger Einwohner

LEIPZIG. Voraussichtlich bis zum Jahr 2032 wird Sachsens Bevölkerung unter vier Millionen Einwohner fallen. Bis 2060 leben nach verschiedenen Berechnungen des Statistischen Landesamtes in Kamenz dann noch zwischen 3,4 Millionen und 3,7 Millionen Menschen im Freistaat. Dies bedeutet einen Bevölkerungsrückgang um 370 000 bis 660 000 Personen im Vergleich zum Jahr 2018 – das wären neun bis 16 Prozent. Ende 2018 lebten noch knapp 4,1 Millionen Einwohner in Sachsen.

Damit einhergehend setzt sich die Alterung der sächsischen Bevölkerung fort. So steigt das Durchschnittsalter auf bis zu 48 Jahre im Jahr 2060.

Dabei wird der Bevölkerungsrückgang auch weiterhin durch das Geburtendefizit bestimmt – trotz Nettozuwanderung aus anderen Teilen Deutschlands und dem Ausland. Die Statistiker gehen in ihren Berechnungen von einer moderaten Entwicklung der Lebenserwartung und einem stabilen Geburtenverhalten aus. Die Abweichungen in den Prognosen hängen mit unterschiedlichen Annahmen zum Wanderungssaldo zusammen.

Auch für Deutschland insgesamt wird von einer rückläufigen Bevölkerung bis 2060 um sechs bis zehn Prozent ausgegangen – auch der starke Zuwachs durch Flüchtlinge in den Jahren 2013 bis 2016 und die steigenden Geburtenzahlen ändern nichts am grundsätzlichen bunschaft desweiten Trend, den die Statistik schon seit etlichen Jahren feststellt. Im Vergleich dazu nimmt die sächsische Bevölkerung stärker ab. Diese Entwicklung verläuft aber im Vergleich zu den anderen neuen Bundesländern am moderatesten. Aktuell hat Deutschland 83 Millionen Einwohner. Im Jahr 2018 lebten in Deutschland 51,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 66 Jahren.

Unterdessen will die Bundesregierung die Probleme in abgehängten Regionen, die teils auch am Bevölkerungsschwund liegen, in Zukunft stärker angehen – in Ost wie West. Dies ist ein Ergebnis der Regierungskommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“, deren Bericht gestern vorgestellt wurde.

Die Bundesregierung will für gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland sorgen und deshalb abgehängte Regionen stärker fördern. „Das Ziel ist, den Menschen die Möglichkeit zu geben, in ihrer Heimat zu leben“, sagte Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Kommissionsberichts „Gleichwertige Lebensverhältnisse“.

Derzeit werden vor allem abgehängte Regionen im Osten Deutschlands gefördert. Das werde nun geändert, hieß es. „Es gibt Regionen, die drohen den Anschluss zu verpassen“, sagte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU). „Diese Lücken werden wir nicht durch Gießkannenpolitik schließen.“Sie müssten gezielter als bisher unterstützt werden. Dabei müssten starke Regionen aber auch zurückstecken, mahnte Familienministerin Franziska Giffey (SPD). Konkret will die Bundesregierung Unternehmen in Regionen locken, aus denen junge Menschen abwandern. Auch Bundeseinrichtungen und Forschungsinstitute sollen dort angesiedelt werden. Der Bund werde zudem Ländern und Kommunen bei der Tilgung von Altschulden behilflich sein, sagten die Minister. Seehofer erwartet über Details „schwierige Gespräche“.

Wo sich die Installation von schnellem Internet für die Telekommunikationsfirmen nicht lohnt, solle der Staat über Steuermittel einspringen, hieß es weiter. Das werde für 15 Prozent des Netzes gelten. Außerdem werde sich der Bund länger als geplant an sozialem Wohnungsbau und guter Kita-betreuung beteiligen. Seehofer sprach davon, dass über die nächsten zehn Jahre zweistellige Milliardenbeträge erforderlich seien. Freilich ist das Geld nicht im Haushalt eingestellt, sondern soll von jedem Ministerium einzeln aufgebracht werden. Es wird also einstweilen nicht mehr Geld geben.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) beklagte: „Es mangelt gravierend an konkreten Umsetzungsmaßnahmen und verlässlichen Finanzierungszusagen.“Die Sprecherin der ostdeutschen Grünen-bundestagsabgeordneten, Claudia Müller, sagte dem RND: „In dem Bericht steht immer wieder – anstelle eines Ergebnisses – die Aufgabenbeschreibung. Das ist besonders für die ostdeutschen Kommunen und Wohnungsbauunternehmen eine herbe Enttäuschung.“Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnte vor einer Umverteilung zulasten starker Regionen.