Schönheit, die aus der Natur kommt

Parabene, Silikone und Mikroplastik: Klassische Kosmetik enthält Ingredienzien, die dem Konsumenten nicht immer bewusst sind. Naturkosmetik will nachhaltige Schönheit möglich machen: ob sie wirklich verträglicher ist und auf welche Gütesiegel Sie sich verlassen können.

Wenn der letzte Tropfen Erdöl erschöpft ist, geht es auch der Kosmetikindustrie an den Kragen: Viele herkömmliche Kosmetikprodukte basieren auf Mineralöl. Ihre Grundlage könnte bald erschöpft sein. Dagegen hat Naturkosmetik einen natürlichen Vorteil, denn sie wird auf Basis pflanzlicher Öle hergestellt. Doch auch in diesem Segment gibt es schwarze Schafe. Anerkannte Zertifizierungen helfen dem Konsumenten

Natürlich und nachhaltig
Der deutsche Naturkosmetikhersteller Dr. Hauschka ist Mitbegründer einer der strengsten und bekanntesten Zertifizierungen, „Natrue“-Standard genannt. Sven Gehring ist Mitarbeiter im Bereich Kosmetiksicherheit bei der WALA Heilmittel GmbH, die von Rudolf Hauschka 1935 gegründet wurde. „Naturkosmetik ist in der EU rechtlich nicht eindeutig reglementiert“, gibt er zu bedenken. „Es gibt also keine Kriterien dafür, was genau Naturkosmetik ausmacht. Aus diesem Grund haben sich führende Hersteller zusammengeschlossen, um so sicherzustellen, dass gewisse Standards eingehalten werden.“ Der Natrue-Verband formiert sich aus unabhängigen externen Experten aus Wissenschaft und Forschung und aus Herstellern, die gemeinsam die Kriterien für Naturkosmetik festlegen. Nach diesen Standards können Produkte eines Unternehmens zertifiziert werden. Werden mehr als 75 Prozent der Produkte einer Linie nach Natrue anerkannt, so darf sich das Unternehmen als Naturkosmetikhersteller bezeichnen, erklärt der Experte, der außerdem Mitglied im wissenschaftlichen Ausschuss bei Natrue ist. Bei Hersteller Dr. Hauschka sind alle Produkte nach diesem Standard zertifiziert.

Und wie sehen diese Standards überhaupt aus? Grundsätzlich stehen Natürlichkeit und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Die Verwendung von Mineralöl in jeglicher Form ist deshalb untersagt. „Bei diesem Verbot geht es klar um die Nachhaltigkeit, schließlich ist Mineralöl ein endlicher Rohstoff. Es wächst nicht einfach nach und sollte deshalb keine Grundlage von Kosmetik sein“, fordert Gehring. „In zertifizierter Naturkosmetik dürfen deshalb keine Parabene, Silikone oder andere mineralölbasierte Stoffe enthalten sein, ebenso wenig PEG und Mikroplastik“, so der Experte. „Auszüge aus Pflanzen, pflanzliche Fette, Öle und natürliche ätherische Öle beispielsweise sind als Inhaltsstoffe erlaubt.“

Einige Konservierungsstoffe bilden die Ausnahme. Sie sind als Inhaltsstoffe dann gestattet, wenn sie in der Natur natürlich, aber in so geringen Mengen existieren, dass ein natürlicher Anbau nicht nachhaltig wäre. „Diese wenigen Stoffe dürfen dann auch künstlich hergestellt und verwendet werden“, grenzt Gehrig ein. Auch chemisch verarbeitet Naturstoffe dürfen verwendet werden. „Allerdings braucht man für diese verarbeiteten Stoffe Genehmigungen.“ Bei Dr. Hauschka werden, je nach Verfügbarkeit, Rohstoffe aus Bio-Anbau verwendet. Ein Teil davon stammt sogar aus dem eigenen Heilpflanzengarten in Bad Boll und dem Demeter-Bauernhof. So kann das Unternehmen nicht nur die Herstellungsprozesse nachvollziehen sondern auch die Qualität laufend kontrollieren.

Tierfreundlich, aber teurer
Ein weiterer Vorteil reiner Naturkosmetik besteht darin, dass pflanzliche Öle der Struktur körpereigener Fette ähneln und von der Haut deshalb besser aufgenommen werden können. Kosmetikprodukte auf Paraffinölbasis verursachen laut Gehrig zwar ein schönes Hautgefühl, die Haut darunter bleibt aber unversorgt. Noch etwas hat der Fachmann anzumerken: Dass Naturkosmetik ausnahmslos gut verträglich wäre, ist leider ein Mythos: „Allergien sind so vielfältig wie die Menschen“, bedauert er. „Wenn jemand eine Kamille-Allergie hat, dann reagiert er möglicherweise empfindlich auf Produkte, in denen der Rohstoff enthalten ist.“ Bei Dr. Hauschka wird das aber in vielen verschiedenen Tests vorher geprüft, weshalb die Kosmetik grundsätzlich sehr gut verträglich ist. Ob Naturkosmetik grundsätzlich verträglicher ist, bleibt dennoch strittig. Fest steht jedoch: Zertifizierte Naturkosmetik arbeitet nach höchsten Standards, setzt auf Nachhaltigkeit und schließt Tierversuche auf der ganzen Welt aus. „Bei Natrue gelten die einschlägigen Regeln weltweit, somit sind sämtlichen zertifizierten Herstellern Tierversuche untersagt. Gehrig: „Auch die Rohstoffe unserer Produkte werden nicht an Tieren getes tet. Hier gelten ohnehin die Vorgaben der EU-Kosmetikverordnung.“

Die Kosten für die Zertifizierung trägt der Kosmetikproduzent. Allerdings werden sie in der Regel auf den Verkaufspreis des Produkts aufgeschlagen. Vor allem kleineren Herstellern sind die Kosten für Zertifizierungen oft zu hoch. Monika Hofer betreibt das Vorarlberger Naturkosmetikunternehmen Blubonbon. Ihr Kommentar: „Zertifizierungen sind gute Richtlinien für die Kunden. Aber gerade für junge Unternehmen kann das teuer werden.“ Deshalb lässt sie nur einige Öle ihrer Produktlinie zertifizieren – „aus Kostengründen“. Als „reine Naturkosmetik“ bezeichnet sie ihr Unternehmen trotzdem. „Die Hauptbestandteile meiner Kosmetik sind hochwertige Pflanzenwasser und Pflanzenöle.“ Verträglicher als mineralölbasierte Kosmetik ist das allemal.