Schwache Verkäufe stürzen Autoindustrie in Krisenmodus

Der Autoindustrie droht einer Studie zufolge der stärkste Absatzeinbruch seit der Finanzkrise: In diesem Jahr könnten die Verkäufe weltweit um fünf Prozent zurückgehen – so stark wie noch nie seit 2008, warnte gestern der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-essen. Schuld seien vor allem die vom Us-präsidenten Donald Trump ausgelösten Zollkriege und Sanktionen. Das habe die Verkäufe schon im ersten Quartal deutlich gebremst. Nur BMW konnte sich bisher leicht im Plus halten.

Die größten Sorgen bereitet Dudenhöffer der chinesische Markt, auf dem die Verkaufszahlen seit mittlerweile zwölf Monaten unter denen der jeweiligen Vorjahreszeiträume lägen. Die Studie rechnet für das Gesamtjahr 2019 mit einem Rückgang von rund 10 Prozent in China. In Westeuropa werde das Minus mit 3 Prozent moderater ausfallen.

WOLFSBURG/STUTTGART. Die deutschen Autobauer haben nach Jahren der Rekordmeldungen derzeit wenig zu feiern. Kaum müssen die für die deutsche Volkswirtschaft so wichtigen Unternehmen viele Milliarden in Elektroantriebe, Batterietechnik und Vernetzung im Auto stecken, da brechen ihnen lange Zeit verlässliche Märkte regelrecht weg. Volkswagen und Daimler meldeten für ihre Kernmarken VW und Mercedes-benz gestern weitere Rückgänge beim Autoverkauf rund um den Globus. Experten sind in Sorge, dass die Autoproduktion dieses Jahr drastisch sinkt.

In China, früher ein Wachs- tumsgarant, herrscht nach mehr als 20 Jahren Boom nun seit gan- zen zwölf Monaten Tristesse. Der Markt in Europa will auch nicht so recht anspringen, nachdem vergangenen Herbst neue Abgasmessverfahren eingeführt wurden. Und in den USA drohen – neben der Zolldiskussion – höhere Zinsen, die Nachfrage der oft auf Pump kaufenden Autofahrer abzuwürgen.

Volkswagen liegt mit seiner Kernmarke nach fünf Monaten mit weltweit rund 2,46 Millionen ausgelieferten Autos 5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Daimler verkaufte mit der Stammmarke Mercedes-benz bisher ebenfalls knapp 5 Prozent weniger Autos, bei Audi waren es fast 6 Prozent weniger. BMW muss die Zahlen für Mai erst noch vorlegen, hatte bis April aber ein kleines Plus von fast einem Prozent zu verzeichnen bei der Hausmarke.

Für den Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer steht die Industrie weltweit vor einer tiefen Krise. Laut einer Studie des Forschungsinstituts CAR der Universität Duisburg-essen könnte im laufenden Jahr der globale Absatz neuer Autos um gut 5 Prozent auf 79,5 Millionen Stück sinken. Ein derart starker Einbruch war nicht einmal nach der Finanzkrise 2008 beobachtet worden. Dudenhöffer sieht die vom Us-präsidenten Donald Trump angezettelten Zollkriege und Sanktionen als wichtigsten Grund. Die Untersuchung rechnet für das Gesamtjahr 2019 mit einem Rückgang von rund 10 Prozent in China. In Westeuropa werde das Minus mit 3 Prozent moderater ausfallen. China stand demnach zuletzt für mehr als ein Viertel der weltweiten Autoproduktion. Jetzt hat das Land laut Dudenhöffer Überkapazitäten zu schultern, die er auf mindestens 6 Millionen Fahrzeuge jährlich schätzt.

Zwar treffen die verschiedenen Probleme die deutschen Hersteller und Zulieferer auf unterschiedliche Weise. Bei Mercedesbenz etwa belasten derzeit nach Unternehmensangaben vor allem Modellwechsel. Im zweiten Halbjahr soll es dann wieder bergauf gehen. Nicht zuletzt kostete die Umrüstung von Dieselautos viel Geld.

Doch so unterschiedlich die Probleme im Einzelnen sein mögen, der Effekt ist oft gleich: sparen, sparen, sparen. Und die Autobauer sind nicht allein, hintendran hängen auch immer die Zulieferer. Bei börsennotierten Unternehmen kam in den vergangenen zwölf Monaten kaum einer von ihnen um Gewinnwarnungen herum, weil die Geschäfte schlechter liefen als geplant.