Was Kunden von Thomas Cook jetzt wissen sollten

Die Rettungsversuche sind gescheitert, Hunderttausende Urlauber müssen zurückgeholt werden: Mit Thomas Cook ist eines der ältesten und größten Reiseunternehmen der Welt insolvent. Das Unternehmen sagt Reisen, die am 23. und 24. September beginnen, ab. Für Reisen, die danach anfangen, gibt es noch keine Informationen,Nachdem die britische Regierung eine Finanzierungsbitte abgelehnt hat, ist das Schicksal von Thomas Cook besiegelt. Allein am Montag und Dienstag sollten 21.000 Urlauber mit dem Unternehmen verreisen. Was Verbraucher nun wissen müssen.

Auf Facebook äußern sich Reisende besorgt, nicht mehr nach Hause zu kommen. „Das Chaos ist hier ziemlich groß“, schreibt eine Nutzerin aus dem Pauschalurlaub in Tunesien. Ihr Hotel habe sie plötzlich aufgefordert, ihre Hotelrechnung zu bezahlen, da von der Thomas-Cook-Tochter Neckermann noch keine Zahlung eingegangen sei. Ein anderer Nutzer beschwert sich auf Instagram über einen ausgefallen Urlaub: „Wir haben uns so auf unseren Urlaub gefreut, und jetzt das.“ Das ist unter Experten umstritten. Urlaubern, die ihre Reise am heutigen Montag oder am Dienstag nicht antreten können – laut Thomas Cook etwa 21.000 Menschen –, stehe Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden zu, sagte Reiserechtlerin Sabine Fischer-Volk aus Berlin. Der Anspruch stehe aber nicht automatisch jedem zu, warnte Robert Kubach.

Was müssen Reisende jetzt wissen und bekommen sie bei einem ausgefallenen Urlaub ihr Geld zurück? Offenbar erst einmal nichts. Die Fluggesellschaft Condor, die die drittgrößte am Flughafen Düsseldorf ist, versichert auf ihrer Homepage, dass Flüge weiterhin durchgeführt würden. „Es ist toll, unseren Kunden sagen zu können, dass wir weiter fliegen und dass der Flug normal geht“, sagte eine Unternehmenssprecherin am Montag. Gleichwohl hat Condor bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit beantragt. Dadurch sollten Liquiditätsengpässen vorgesorgt werden. Dabei soll es sich um rund 200 Millionen Euro handeln, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Condor darf allerdings Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Ziel bringen. Reisende, die planmäßig nach Hause fliegen wollten, werden von dem Ferienflieger befördert.

Unmittelbar betroffen von der Insolvenz des Reiseveranstalters sind etwa 600.000 Touristinnen und Touristen. Allein 150.000 Urlauber kommen aus Großbritannien. Mit dem deutschen Reiseveranstalter von Thomas Cook sind nach Unternehmensangaben derzeit 140.000 Gäste unterwegs. Am diesem Montag und Dienstag sollten 21.000 Menschen abreisen,Touristen, die sich zurzeit mit Thomas Cook oder zugehörigen Unternehmen im Urlaub befinden, sollten sich beim jeweiligen Reiseveranstalter erkundigen, wie ihre Reise weitergeht. Es kann passieren, dass Hoteliers im Ausland nun keine Zahlungen mehr von Thomas Cook erhalten und den Aufenthalt von Touristen dadurch vorzeitig beenden müssen. Sollte auch der Rückflug nicht mehr wie gebucht durchgeführt werden, können Reisende selbst einen anderen Flug buchen. Anbieter von Pauschalreisen innerhalb der EU übermitteln ihren Kunden in der Regel einen Reisesicherungsschein. Robert Kubach, Rechtsanwalt der Düsseldorfer Kanzlei Schumacher und Partner, sagt, dass Urlauber sich etwa die Kosten für den Rückflug von der Versicherung zurückholen können.

Klar ist, dass Kunden, die eine Reise gebucht haben, die am 23. oder 24. September beginnt, sich gar nicht mehr auf den Weg zum Flughafen machen brauchen. An diesen beiden Tagen hat Thomas Cook alle geplanten Reisen abgesagt. Ob Urlauber ab dem 25. September wieder wegfahren können, ist unklar. Eine Sprecherin von Thomas Cook sagte ZEIT ONLINE lediglich, der Kundenservice setze sich mit den Betroffenen in Verbindung,Über den Reisesicherungsschein können Touristen bei der entsprechenden Versicherung die Kosten für den Rückflug zurückbekommen. Anwalt Kubach rät dazu, sämtliche Belege von Taxifahrten, Hotels, aber auch für Verpflegung zu sammeln. Bis zu einem gewissen Grad würden Versicherungen auch Verpflegungskosten ersetzen, so Kubach. Sollte der Rückflug erst später möglich sein als ursprünglich gebucht, sollten sich die Urlauber einen entsprechenden Nachweis bei der Fluggesellschaft oder vom Flughafen geben lassen. Der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, fordert die Bundesregierung auf, Insolvenzversicherungen auch für Fluggesellschaften verpflichtend einzuführen. „Die Thomas Cook Pleite ist der wiederholte Weckruf an die Politik, eine verpflichtende Insolvenzversicherung für Fluglinien einzuführen, damit nicht der Staat mit Bürgschaften einspringen muss“, sagte er unserer Redaktion. Er ermahnt die Versicherer, Geld schnell an die Urlauber auszuzahlen. „Ich appelliere an die Versicherer, unverzüglich die Kosten zu erstatten, damit Geschädigte Reisen umbuchen können. An die anderen Reiseanbieter appelliere ich, jetzt keinen Krisenaufschlag zu nehmen, damit die Urlaubsvorfreude kein zweites Mal verdorben wird“, sagte Müller.