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Schwere Nobelkarossen

Eine Untersuchung des saarländischen TÜV bringt einen der größten europäischen Hersteller von Wohnmobilen, die Erwin Hymer Group (EHG), in Erklärungsnot. Danach könnte das Unternehmen bei seiner italienischen Nobelmarke Laika in den Jahren 2011 bis 2017 erheb - liche Gewichts- und Sicherheitsprobleme gehabt haben: Von 304 überprüften Wagen sollen 76,8 Prozent das zulässige Gesamtgewicht oder die Achslast teilweise erheblich überschritten haben, heißt es in der Analyse. Bei über 70 Prozent habe es Sicherheitsbedenken in Bezug auf Bremssystem, Lenk- und Fahrverhalten gegeben. Konkret handelte es sich um bis zu 150000 Euro teure Modelle vom Typ Kreos mit einem zulässigen Gesamt - gewicht von bis zu 3,5 Tonnen. Weil diese noch mit normalem Pkw-Führerschein gefahren werden dürfen, ist der Markt stark umkämpft.

Hersteller stehen seit Längerem im Verdacht, es mit der Sicherheit nicht sonderlich genau zu nehmen. Im konkreten Fall hatte ein italienischer Kunde Anzeige erstattet, da sein Laika-Wohnmobil schwerer war als in den Fahrzeugpapieren ausgewiesen. Die italienischen Ermittlungsbehörden hatten daraufhin Vorermittlungen eingeleitet. Die EHG bemühte sich mit Gutachtern, Anwälten und Experten ebenfalls um Aufklärung. Obwohl zeitweise der Verdacht im Raum stand, dass bis zu 7000 Fahrzeuge keine ordnungsgemäße Typgenehmigung besitzen und Sicherheitsmängel aufweisen könnten, gab das Unternehmen schließlich Entwarnung. Es handle sich im Kern um die unterschiedliche Interpretation einer EUZulassungsrichtlinie in Deutschland und Italien, erklärte das Unternehmen gegenüber dem SPIEGEL. Während Deutschland schweres Sonderzubehör wie Sonnen - markisen, Satelliten- und Solaranlagen beim zulässigen Höchstgewicht für die Typenzulassung der Wohnmobile mitrechnete, sahen die Italiener dazu jahrelang offenbar keinen Anlass. Für sie lag die Einhaltung der Gewichtsgrenzen in der Verantwortung des Käufers, was laut EHG auch die italienische Zulassungs behörde so sieht.

Obwohl sich die Firma keiner Schuld bewusst ist, zog das TÜV-Gutachten mittlerweile eine »Service aktion« nach sich: Bei rund hundert der überprüften Fahrzeuge wurde das Gewicht verringert oder Besitzern der Erwerb eines Alternativmodells ermöglicht. Die Eigentümer der übrigen als zu schwer ausgewiesenen Fahrzeuge wurden nicht informiert. Laika sagt, dies sei nicht nötig gewesen, da es zu keiner Zeit Sicherheitsbedenken gegeben habe. Die Toleranz grenzen bei den fest gestellten Gewichten seien nicht überschritten worden, das belege ein weiteres Gutachten.

 

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