Auf schnellstem Weg in die Freiheit


 Das Corona-Drama steuert auf die Impfung und damit auf den Höhepunkt zu. Jetzt stellt sich die zentrale Frage: Wann sollen die geimpften und die ungeimpften Bürger ihre Freiheit zurückerhalten? Manche Dramaturgen möchten den Geimpften ihre Freiheit erst wiedergeben, wenn ein für die Herdenimmunität ausreichender Anteil der Bevölkerung geimpft ist. 

Dies dürfte realistischerweise frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 der Fall sein. Das lange Warten bis dahin brächte riesige gesellschaftliche Schäden mitsich und würde die Verhältnismässigkeit massiv verletzen, denn es gibt keinen hinreichenden Grund, die Freiheit von Geimpften so einzuschränken. Zudem wäre es so wahrscheinlich unmöglich, genügend Impfwillige zu finden. Die Folge wären eine Verzögerung der Impfkampagne sowie unnötige Erkrankungen, und am Ende bräuchte es dann wohl sogar noch den Impfzwang. 

Die naheliegende Alternative wäre, Geimpfte sofort mit einem Immunitätszertifikat auszurüsten und ihnen alle Freiheiten zurückzugeben. So erhielten die früh Geimpften viele Monate früher wieder ihren Spielraum als die spät Geimpften. Die Gesamtwirkung wäre überaus positiv, aber der Verteilungseffekt riesig, was vermutlich einen enormen Sturm auf die Impfungen auslösen würde. Die Zuteilungderknappen Impfungen würde zum grossen Problem werden und schwierigste Abwägungen verlangen. Natürliche Durchseuchung Was also tun? Der gordische Knoten lässt sich durchhauen, und zwar mittels der bereits weitverbreiteten natürlichen Immunität. 

Die von der Infektion Genesenen sind schon so gut wie geimpft und mit gängigen Tests einfach und günstig identifizierbar. Ihr Anteil an der Bevölkerungliegt schon heute je nach Schätzung für die Dunkelziffer der Infektionen irgendwo zwischen 13 und 33 Prozent, Tendenz schnell steigend. Das Risiko, dass sie sich und andere anstecken, ist sehr klein. Das Gegenargument, die Beständigkeit der Immunität sei unsicher, ist mittlerweile hinfällig. Erstens gibt es zunehmend wissenschaftliche Evidenz für die Stärke und Stabilität der Immunität. Zweitens beruht auch die Impfung auf dieser Immunität. Drittens zählt nicht, ob immune Menschen vor Ansteckung absolut sicher sind oder nicht. Entscheidend ist, dass die natürliche Immunitätnach der Infektion weit mehr Sicherheitbietetals die Nichtimmunität vor einer Infektion. 

Die Impfung bringt viel, auch wenn sie nicht hundertprozentig wirkt. Genau das Gleiche gilt für die natürliche Immunität. Die natürliche Durchseuchung ist heute schon so weit fortgeschritten, dass zusammen mitden Impfungen schnell eine weitgehende Immunität in der Bevölkerung entstehen kann, dank der die weitere Verbreitung des Virus viel einfacher kontrolliert werden kann. Damit werden die zweiderzeitigen Hauptprobleme- Schutz derRisikogruppen und Verhinderung der Überlastung des Gesundheitswesens - viel wirksamer und schneller sowie mit weniger Impfrisiken gelöst, als wenn nur auf die Impfung alleine gesetzt wird und die natürlich Immunen vernachlässigt werden. 

Deshalb müssen jetzt dringend die Immunen identifiziert werden, mit Tests auf Antikörper oder spezifische T-Zellen, sodass die knappen Impfungen nur für diejenigen verwendet werden, die sie brauchen. Das gelingt aber nur, wenn die Immunen dadurch keine Nachteile, sondern Vorteile erfahren. Auch deshalb sollte ihnen - wie Geimpften - sofort ein Immunitätszertifikat ausgestellt und ihre volle Freiheit wiedergegeben werden. Das ist umso dringender, je später mitden Impfungen in der Schweiz begonnen werden kann, denn die Zahl der natürlich Immunen wächst schnell. Belohnung für Junge Damit stellt sich die Frage, was mit den noch nicht Geimpften geschehen soll und jenen, die sich nicht impfen lassen wollen. Dieses Problem entschärft sich nach kurzer Zeit weitgehend. Die Risikogruppen können schnell geimpft und wirkungsvoll geschützt werden, insbesondere wenn keine kostbaren Impfungen für schon Immune verschwendet werden. Dank dem Schutz der Risikogruppen kann auch den noch nicht Immunen deutlich mehr Freiheit gegeben werden. 

Es bleibt die Frage, was passieren soll, wenn die ZahlderImpfwilligen und natürlich Immunen nicht ausreicht, um das Virus weitgehend zu verdrängen. Die üblichen Vorschläge reichen von Impfzwang über sozialen Druck bis hin zur aktiven Diskriminierung Ungeimpfter, etwadurch Reiseeinschränkungen. Daslehnen wir ab und plädieren für positive Anreize. Diejenigen, die sich impfen lassen, tun etwas für die Allgemeinheit. Das gilt insbesondere für Junge, deren persönliches Risiko im Fall einer Infektion klein ist. Entsprechend sollen Junge belohnt werden, wenn sie sich impfen lassen. Einwände wie das moralisierende Argument «Da werden die Jungen gekauft» sind nicht stichhaltig. Die realistischen Alternativen wurden genannt: Impfzwang und negative Diskriminierung. Auch sie lenken das Verhalten, aber mit Strafe statt Belohnung.


Kommentare