EIN LANGER WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG


 Der Einkaufsmanagerindex und die 10-Jahres-Rendite in den USA sprechen für einen vor uns liegenden zweijährigen Wirtschaftsboom.

Der Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe, eine Maßzahl für die Wirtschaftstätigkeit, verlief in den letzten zehn Jahren parallel zur Rendite einer zehnjährigen US-Staatsanleihe. Das ist kein Wunder, weil beide Wirtschaftsgrößen sich gegenseitig bedingen. Hohe Zinsen im Wirtschaftsboom kühlen die Konjunktur ab. Die sich abschwächende Wirtschaft lässt die Zinsen sinken, bis sie so tief sind, dass sie stimulierend wirken. 

Die Wirtschaft beginnt zu wachsen, die Zinsen steigen wegen der höheren Kreditnachfrage und der anziehenden Inflationsrate und der Zyklus beginnt wieder von vorn. Dieser sich so ergebende etwa vierjährige Rhythmus ist in der Literatur als Kitchin-Zyklus bekannt. Im Moment befinden wir uns im Konjunkturtief und können wegen der niedrigen Anleiherendite mit einem zweijährigen Wirtschaftsaufschwung rechnen. In diesen zwei Jahren muss der Anleger auch nicht mit Schulden-oder Finanzkrisen rechnen. 

Während eines Wirtschaftsaufschwungs verbessert sich die Lage. Krisen treten in Abschwüngen auf, so die China- Krise im Jahr 2016, die Euro-Krise Ende 2011/Anfang 2012 oder im gleichen Takt vier Jahre zuvor die Immobilienkrise 2008 in den USA. Dieser vierjährige Konjunkturzyklus prägt nicht nur die Wirtschaftsaktivität, sondern entscheidet auch darüber, welche Aktien an der Börse haussieren. 

Die Konjunkturaufschwünge nach 2012 und 2016 begünstigten die konjunktursensiblen Aktien aus dem Industriesektor. Siemens und BASF konnten jeweils nach 2012 und 2016 über 50 Prozent zulegen. Diese Unternehmen profitierten von der besseren Konjunktur, wurden aber durch die steigenden Anleiherenditen nicht sonderlich beeinträchtigt. Während der Wirtschaftsabschwung-Phasen gaben die Industrie-Giganten ihre beim Wirtschaftsaufschwung erzielten Kursgewinne teilweise oder fast vollständig wieder ab, während konjunkturunsensible Werte aus der Konsumgüter- oder Pharmaindustrie glänzen konnten. Von 2014 bis 2016 und von 2018 bis 2020 konnte die Nestlé-Aktie jeweils 50 Prozent gewinnen. 

Man konnte also bei jedem der letzten beiden Konjunkturzyklen zweimal 50 Prozent Gewinn erzielen, wenn man im richtigen Takt auf die richtige Branche setzte: beim Konjunkturaufschwung auf die Industriewerte und beim Abschwung auf die Konsumgüterwerte. Die Tech- und Wachstumswerte gehören übrigens zu den konjunkturunsensiblen Werten. Deshalb hatten sie von 2018 bis 2020 ihre tollen Jahre. Beim kommenden Konjunkturaufschwung könnten sie ins Hintertreffen geraten. Auch Gold verhält sich konjunkturunsensibel. Beim Wirtschaftsaufschwung bis 2022 sind keine großen Preisavancen zu erwarten. Der große Goldboom startet im Jahr 2022.

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