Kaiser ohne Kleider


 An einem milden Frühlingstag steigen Hendrik Holt und seine Freundin im Fürstentum Andorra in ihren Mercedes- AMG-Geländewagen, um nach Berlin zu fahren. Als das Auto um 22 Uhr die Grenze von Frankreich nach Deutschland überquert, wählt sich das Handy der Freundin in ein deutsches Mobilfunk - netz ein und löst Alarm aus. 

Die Polizei hatte Telefone im Umfeld des 30-Jährigen abgehört. Mehrere Teams machen sich bereit, auf diesen Tag haben die Ermittler lange gewartet. Um fünf Uhr morgens checkt Dr. Hendrik Holt im Hotel Adlon in Berlin ein. Er hat die Suite Brandenburger Tor Deluxe gebucht: ein Schlafzimmer mit Himmelbett, mehreren Badezimmern, einer Lounge mit Kamin und einer Tafel für private Diners. Der Preis für die Übernachtung: 8000 Euro. Das Paar kann noch nicht lange geschlafen haben, da klopft ein Staatsanwalt aus Osnabrück an die Tür der Suite. Nicht nur der Doktortitel des Stammgastes ist ein Fake. Der piekfeine Dr. Hendrik Holt ist ein Hochstapler, der Energiekonzerne und Politiker hinters Licht geführt hat. Selbst die renommierte Münchner Sicherheitskonferenz ist auf den Schwindler aus dem Emsland hereingefallen. An diesem 17. April platzt die Illusion vom erfolgreichen Jungunternehmer, der mit Windparkprojekten ein Vermögen verdient hat. 

Der Staatsanwalt trägt drei Haftbefehle in der Tasche: einen wegen Betrug, einen wegen Verabredung zu gewerbsund bandenmäßigem Betrug, einen dritten wegen Anstiftung zur Bestechung. Aus der 130-Quadratmeter-Suite kommt Holt in eine etwa zehn Quadratmeter große Gefängniszelle. Zeitgleich verhaften Einsatzkommandos in Niedersachsen seine Mutter und seinen Bruder sowie in Bayern eine seiner Schwestern. Sie sollen Holt geholfen haben. Der Aufstieg des Schwindlers aus der niedersächsischen Provinz erinnert an die US-amerikanische Filmkomödie »Catch me if you can« mit Leonardo DiCaprio. Nur dass Hendrik Holt mit seinen Fälschungen weitaus erfolgreicher war als der im Film dargestellte Scheckbetrüger Frank Abagnale. 

Rund zwölf Millionen Euro soll Holt den Ermittlungen zufolge mit fingierten Windkraftprojekten ergaunert haben. Nach Berlin war er gekommen, um seinen ganz großen, allerletzten Coup einzufädeln. Mehr als 100 Millionen Euro wollte er offenbar einkassieren – und sich dann ins Ausland absetzen. Holt spielte den großen Projektentwickler, der auf dem Land Windparks plant. Nur dass sich diese Windräder bloß in seiner Fantasie drehten. Fast alles war geälscht: Erklärungen der Gemeinden, dass sie Flächen für Windparks ausweisen würden. Pachtverträge mit den Bauern, auf deren Land die Rotoren stehen sollten. Vollmachten für Grundbuchauszüge.

 Die angeblich fertigen Windparkpläne verkaufte Holt an Investoren, oft Energiekonzerne aus dem Ausland, die dann die Windräder aufstellen wollten. Ermittlungsakten und Zeugenaussagen beschreiben den Aufstieg des Sohns eines Bauunternehmers zum großen Wind- Macher. Keinem fiel offenbar auf, dass es nur heiße Luft war, mit der Holt handelte. In einer Erklärung gegenüber den Ermittlern zeigt er sich darüber selbst verwundert. Niemand habe gerufen: »Der Kaiser hat gar keine Kleider an!« Hendrik Holt ist das älteste von sechs Kindern. Die Firma seines Vaters musste kurz nach der Jahrtausendwende Insolvenz anmelden. Damals war Holt junior 13 Jahre alt. Für »die ganze Region« sei die Insolvenz des Bauunternehmers ein schwerer Schlag gewesen, schrieb Holt in seiner Einlassung. Das war sicher übertrieben, aber Bescheidenheit gehört nicht zu den charakterlichen Stärken des Mannes aus Haselünne. 

Er überschätzt sich gern und tritt großspurig auf. »Hendrik war schon immer so und machte auf dicke Hose«, sagt eine ehemalige Mitschülerin. Nach dem Abitur studierte er nach eigenen Angaben zuerst Wirtschaftswissenschaften in Osnabrück, dann Jura in Münster, beides brach er ab. Mit 21 Jahren habe er die »Holt Unternehmensgruppe« gegründet, schrieb er den Ermittlern. 2014 wollte er an einer Schnellstraße einen Autohof bauen. Daraus wurde nichts. In dieser Zeit lernte der erfolglose Jungunternehmer den 34 Jahre älteren Heinz L. kennen. Auch L., heute 64 Jahre alt, hatte geschäftlich bis dahin wenig Glück. Bei den Holts wurde der neue Kompagnon »Opi« genannt. Immerhin: Opi kannte sich in der Windbranche aus. Holt und er waren schon optisch ein skurriles Team. Der Junge: schlank und groß, zurückgegelte Haare und ein weißes Einstecktuch im Jackett. Der Alte: klein und untersetzt, zurückgegelte Haare und ein weißes Einstecktuch im Jackett. Holt beteiligte Opi an seiner Firma. 

In der Nähe von Kassel machten die beiden tatsächlich bei einem Windparkprojekt mit, das später an den deutschen Konzern E.on verkauft wurde. Es blieb offenbar das einzige regulär abgewickelte Windpark - geschäft. Es spülte Geld in die Kasse, mit dem sich neue Geschäfte aufziehen ließen. Holts jüngere Schwester legte nach ihrer Verhaftung eine Beichte ab. Zwei Tage lang erzählte die 26-Jährige, was sie wusste. Anfangs habe sie als Studentin bei ihrem Bruder gejobbt, bald habe sie Unterschriften gefälscht. Manchmal hätten die Männer sie zu Geschäftsterminen mitgenommen. »Sex sells«, habe Opi dann gesagt. Reden sollte sie aber nicht. 

Der schottische Energieversorger SSE und das tschechische Stromunternehmen CEZ wollten in deutsche Windparks investieren, auch E.on hatte Interesse. Nur leider gab es kaum Bauern, die ihr Land für Windräder verpachten wollten, oder Gemeinden, die diese Pläne unterstützten. Denn die Bundesregierung stand beim Ausbau der Windenergie seit 2014 auf der Bremse und deckelte die Förderung. Bürger organisierten Proteste gegen die »Verspargelung « der Landschaft. Aber bei Holt schien noch was zu gehen. Im emsländischen Schapen schlossen Holt und L. 2015 sogar echte Verträge mit einigen Landwirten ab. Einer von ihnen war Bernd B., der im Hauptberuf als Altenpfleger arbeitet. Er erinnere sich gut an die schnieken Herren im Zweireiher, die in einem silbernen Mercedes vorfuhren, mit grünen und braunen Geldscheinen in der offenen Mittelkonsole. »Hendrik Holt trat auf wie ein britischer Adliger, mit einem merkwürdigen Siegelring am Finger.« Holts Angeberei störte in Schapen niemanden, denn das Geschäft erschien lukrativ. Wenn Windräder auf seinem Acker gebaut würden, sollte Bernd B. sieben, später acht Prozent des Preises des eingespeisten Stroms als Pacht erhalten. Über die Jahre hätte er bis zu 100000 Euro verdienen können. Mehrere Bauern unterschrieben Pachtverträge für ihre Ländereien, auf denen sieben Windräder errichtet werden sollten. 

Blöd nur, dass die zuständige Kommune keine Rotoren wollte. Holt gab sich trotzdem zuversichtlich. Im Frühjahr 2019 lud er Bauern aus der Gegend ins örtliche Landgasthaus zum Infoabend ein. Auch diejenigen, die keine Verträge abgeschlossen hatten. Es gab Bratkartoffeln, Pommes und Hähnchenschnitzel. Alle trugen sich brav in die Teilnehmerliste ein und unterschrieben neben ihren Namen. Einige Unterschriften tauchten später auf gefälschten Verträgen auf. Im ganzen Emsland plante Holt nun Windparks – er tat jedenfalls so. Neben gefälschten Pachtverträgen und fingierten Schreiben der Kommunen und Landräte über angeblich mögliche Windkraftprojekte gab es auch echte Papiere. Holt gab Zeichnungen und Machbarkeitsstudien in Auftrag. 

So wirkte alles einigermaßen glaubwürdig. Bald arbeitete die halbe Familie an den Fälschungen mit. Der Bruder, der »ITFreak «, produzierte laut Aussage seiner Schwester Dokumente, Vollmachten und offizielle Erklärungen der Kommunen. Die Schwester veredelte die fertigen Papiere mit den passenden Unterschriften. Wenn es eng geworden sei, so die Schwester, hätten alle bei den Unterschriften mitgeholfen. Die Fälscherwerkstatt mit Laserdrucker und Leuchtbrettern zum Abpausen befand sich in einem Haus in Osnabrück, schräg gegenüber der Staatsanwaltschaft. Am Anfang sei es um wenige Parks gegangen, sagte die Schwester. Später habe Holt mehr Anlagen zu sogenannten Pipelines zusammengefasst. Nach außen hin schien alles blendend zu laufen. Holt unterhielt eine eigene PR-Agen - tur, die immer neue Erfolgsmeldungen über Projekte in Andorra und Sim babwe herausgab. 

Die Energiekonzerne SSE aus Schottland, CEZ aus Tschechien und Enel aus Italien kauften dem Emsländer seine Erfolgsgeschichte ab. Sie überwiesen 2019 etwa zwölf Millionen Euro Anzahlung für angeblich fertig entwickelte Windparkprojekte. Hendrik Holt wohnte nun wochenlang in seiner Suite im Adlon und ging shoppen. Nach der Verhaftung stellte die Staatsanwaltschaft Luxusgüter, Bargeld und Immobilien im Wert von etwa drei Millionen Euro sicher. Darunter: drei Bentleys, einen Porsche und den Mercedes-AMG, außerdem zwei Rolex-Uhren im Wert von 90000 und 21000 Euro. In der Gemeinde Bakum ließ Holt neben bescheidenen Einfamilienhäusern eine Villa errichten, mit großer Auffahrt und Säuleneingang sowie einem Whirlpool auf dem Balkon. Zu dieser Zeit liefen bereits jene Kontrollen, die Holts Konstrukt zum Einsturz bringen sollten. Prüfer der Deutschen Windguard nahmen sich einen von Holts Parks vor. Beauftragt hatte sie ein Windparkmakler, der Projekte von Holt verkaufen sollte. Eine Windguard-Mitarbeiterin rief in der Gemeinde Barßel an, die angeblich einen Windpark plante, und stellte fest, dass ein Dokument gefälscht war. Die Gemeindemitarbeiterin erstattete Anzeige. 

Die Ermittlung begann. Dass der Schmu irgendwann auffliegen musste, war Holt und Opi offenbar von Anfang an klar. In abgehörten Telefonaten redeten sie über den »Tag X«, davon, dass die Familie Deutschland verlassen müsse. Holt eröffnete Konten im Ausland und zog nach Andorra. Das war weit weg, aber ihm nicht sicher genug. Der mutmaßliche Millionenbetrüger wollte weiter in den Libanon ziehen, der kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland hat. In den Beirut Terraces, einem mondänen Apartmenthochhaus in der Hauptstadt, sicherten sich Hendrik Holt und Heinz L. mehrere Wohnungen. Holt und sein Kompagnon – doppelt hält besser – bemühten sich auch um Diplomatenpässe aus Simbabwe, die ihnen Immunität vor Strafverfolgung sichern sollten. Während der angeblichen Planungen für einen Solarpark trafen sie Simbabwes Staatschef Emmerson Mnangagwa. 

Holt und Opi sollen eine sechsstellige Summe an einen Vermittler in Bonn gezahlt haben, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Laut Haftbefehl sollte der das Geld als Schmiergeld für die Pässe weiterreichen. Holts Rechtsanwalt, Thomas Klein, bestreitet Schmiergeldzahlungen: »Es ging um reale Projekte in Simbabwe.« Währenddessen bereitete Holt seinen größten Deal vor, eine riesige »Pipeline«, die neue Fantasieparks und alle bis dahin gefälschten Windparks enthalten würde. Auch jene, die bereits verkauft waren, verpackte Holt noch einmal neu. 1,5 Gigawatt Leistung sollte dieses Paket haben. Die angebliche Leistung übertraf die aller Windkraftanlagen, die 2019 in Deutschland an Land neu ans Netz gingen. Holt nannte das Projekt »Munich«. Dann, so erklärte Holt den Ermittlern, habe er sich um Unterstützung aus der Politik gekümmert, denn die brauche man für ein so großes Projekt. 

Dafür gründete er eine neue Firma und mietete Büros in der Nähe des Adlon an. Eine Schlüsselrolle bei der Vermarktung von Projekt »Munich« sollte Benedict Pöttering spielen, den Holt noch aus seiner Zeit in der Jungen Union (JU) kannte. Pöttering, 37, ist der Sohn des CDUPolitikers und ehemaligen Präsidenten des Europaparlaments Hans-Gert Pöttering. In der JU stieg der Junior bis zum Bundesvize auf, die Kampfabstimmung um den Vorsitz verlor er 2014 gegen den heutigen CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.Pöttering junior hat als Lobbyist für den Internetapotheker DocMorris gearbeitet und verfügt über gute Kontakte in den Berliner Politikbetrieb, besonders zu Abgeordneten der CDU. Pöttering hat bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass er sich bei dem Emsländer und dessen Firmen Geld geliehen habe: insgesamt 110000 Euro. Holt machte Pöttering zum Aufsichtsratsvorsitzenden der damals in Gründung befindlichen Holt Energy AG und übertrug ihm zehn Prozent dieser Firma, die es nur auf dem Papier gab. Auf der Internetseite hieß es, das Unternehmen habe 2,5 Milliarden Euro investiert und verfüge über 16 Niederlassungen in verschiedenen Ländern. Nichts davon stimmte. Im Januar 2020 organisierte Pöttering ein Treffen in der Parlamentarischen Gesellschaft am Reichstag, einem Klub für Bundestagsabgeordnete. 

Es sollte ein »Testlauf« für Projekt »Munich« sein, zu dem Pöttering »höchstes politisches Parkett « organisiert habe, erklärte Holt den Ermittlern. Es kamen die CDU-Bundestagsabgeordneten Jan Metzler, Markus Uhl und Johannes Steiniger. Sie hätten das Projekt nicht unterstützt, erklärten die Politiker auf Anfrage. Uhl sagt, er habe Holt nur kurz am Eingang getroffen und sei dann weitergegangen. Auch FDP-Chef Christian Lindner schaute vorbei. Pöttering habe ihm eine Gruppe von Windkraftexperten vorgestellt, erklärte Lindner der Staatsanwaltschaft. Mit »Dr. Holt« habe er über das Erneuerbare- Energien-Gesetz gesprochen. Er sei zufällig da gewesen. Holt hatte Vertreter des schottischen Großinvestors SSE eingeladen. Laut seiner Aussage seien die Manager beeindruckt gewesen und hätten Interesse geäußert, in »Munich« einzusteigen und zudem die ganze Holt Energy zu kaufen. 

Auch international versuchte der Emsländer nun, sein Renommee aufzuwerten. Er überwies 250000 Euro an die Münchner Sicherheitskonferenz, die Scheinfirma Holt Energy AG trat neben Siemens und einem Rüstungskonzern als »Associate« der Konferenz auf. Holt durfte sich und seine Projekte vor internationaler Politprominenz präsentieren. Im Bayrischen Hof saß der Hochstapler am »Energy Security Roundtable« zusammen mit EU-Energiekommissarin Kadri Simson. Auch den ehemaligen US-Außenminister John Kerry lernte Holt auf der Konferenz kennen. Dabei hätte laut Ermittlern eine Google- Recherche ausgereicht, um zu erkennen, dass die Holt Energy AG eine Hülle war, in der Holt weder dem Aufsichtsrat noch dem Vorstand angehörte. 

Vorstandsvorsitzende war seine Schwester. Die Delegation sei im Vorfeld überprüft worden, ließ der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, mitteilen und habe keinen Zugang zu »den hochsicherheits - relevanten Bereichen« gehabt. Zwischendurch witterte Holt einen weiteren Millionendeal, der mit Windkraft gar nichts zu tun hatte. In der ersten Corona- Welle wollte er offenbar ein schnelles Geschäft mit 500000 Liter Desinfektionsmittel aus China machen. Pöttering sprach mit seinen Kontakten im Bundesgesundheitsministerium. Auch zu Jens Spahn (CDU) will er in der Causa laut seiner Aussage Kontakt gehabt haben. Ein Ministeriumssprecher erklärte: »Bundesminister Jens Spahn hat Herrn Holt weder getroffen noch gesprochen.« Fragen zu Pötterings Kontakten ins Ministerium beantwortete er nicht. Pötterings früherer und inzwischen erneuter Arbeitgeber DocMorris wollte die Mittel kaufen und überwies eine Anzahlung in Höhe von rund zwei Millionen Euro auf ein niederländisches Konto von Holt. 

Die Ermittler vermuten, dass Holt in diesem Fall tatsächlich liefern wollte. Doch bevor das Geschäft über die Bühne ging, saß er schon im Gefängnis. Das Konto wurde eingefroren. Gegen Benedict Pöttering läuft ebenfalls ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Verabredung zu einem Verbrechen. Holt hat ihn als Mitwisser beschuldigt. In einem belauschten Gespräch bezeichnen die Holts den Lobbyisten allerdings als »Bauernopfer«, nur wisse er das nicht. Pöttering bestreitet, von betrügerischen Machenschaften oder sonstigen Vorgängen, die Gegenstand der Ermittlungen sind, gewusst zu haben. Bis zu Holts Verhaftung habe er keinen Grund gehabt, an dessen unternehmerischen Tätigkeiten zu zweifeln. Er gehe davon aus, dass das Verfahren eingestellt werde. 

Die Staatsanwalt nehme an, dass Pöttering »als Mittel zum Zweck benutzt wurde«, so sein Anwalt. »Dass Herr Holt mich wahrheitswidrig der Mitwisserschaft bezichtigt, kann ich nur als persönlichen Racheakt interpretieren, weil ich nach seiner Verhaftung umgehend jeden Kontakt zu der Familie Holt abgebrochen habe«, sagt Pöttering. Sein Aufsichtsratsmandat habe er damals sofort niedergelegt und zumindest 30000 Euro seines Darlehens bereits an die Holt-Firmen zurückgezahlt. Im Oktober stand Holt das erste Mal vor Gericht. Da ging es aber nur darum, dass Holt den Windparkmakler und einen Notar nicht bezahlt hatte, eine Summe von knapp 300000 Euro. Das Amtsgericht in Meppen verurteilte ihn wegen Betrug zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Die Staatsanwälte in Osnabrück arbeiten noch an der Anklage wegen der Windparks. Holts Rechtsanwalt Thomas Klein will zu den konkreten Vorwürfen nichts sagen. 

Sein Mandant habe sich »detailliert gegenüber der Staatsanwaltschaft geäußert«. Selbst eine Flucht in den Libanon hätte Hendrik Holt wohl nicht vor strafrecht - licher Verfolgung geschützt. Im Juni nahmen libanesische Sicherheitskräfte seinen Kompagnon Heinz L. in den Beirut Ter - races fest. Die Staatsanwaltschaft hatte es entgegen der geübten Praxis doch mit einem Auslieferungsantrag versucht. Zusammen mit dem Gesuchten schickten die Libanesen einen Karton nach Deutschland. Der Inhalt: 60 000 Dollar. Wo die restlichen Millionen aus den Windparkdeals geblieben sind, wird noch er - mittelt.


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