WIE PHÖNIX AUS DER ASCHE?

Nach einigen mageren Jahren in der Branche sollte die Fusionswelle 2021 an Fahrt gewinnen, auch hierzulande. Deutsche Bank und Commerzbank stehen aus verschiedenen Gründen im Fokus.

Im laufenden Jahr feiert die Deutsche Bank ein Comeback: Der Konzernumbau läuft schneller als gedacht, größere Kreditausfälle sind ausgeblieben, die Risikovorsorge steigt weniger stark als bei der Konkurrenz. 2022 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Im kommenden Jahr könnte es dann sogar ans Eingemachte gehen: Fusioniert die Deutsche Bank? Das Finanzinstitut müsse erst seine Hausaufgaben machen, sagte CEO Christian Sewing 2020 häufiger. Andererseits wolle man eine aktive Rolle bei der Konsolidierung spielen. Wesentliche Kennzahlen haben sich bei der Deutschen Bank verbessert. Mittlerweile hat das Management die Kosten im Griff, das Ziel von 17 Milliarden für 2022 scheint realistisch. 

Zudem soll 2020 ein Vorsteuergewinn eingefahren werden. Kernstück der Sanierung ist die Entwicklung weg vom volatilen Investmentbanking hin zu stabileren Segmenten wie der Vermögensverwaltung und dem Privat- und Firmenkundengeschäft. Allerdings rettete Corona bisher das Jahr, denn das Investmentbanking – insbesondere das Handelsgeschäft – trug bis zum dritten Quartal 70 Prozent zum Gewinn bei. Im Trading mit Währungen, Anleihen und Derivaten ist der Konzern noch immer eine Hausnummer. Das könnte einer der Gründe sein, warum die Deutsche Bank laut Medienberichten ins Visier der schweizerischen UBS geriet. Nach Gerüchten über eine Fusion mit der Credit Suisse schaut man sich offenbar nach ausländischen Partnern um. Da es keine Überschneidungen im Filialgeschäft gibt, wäre das von Vorteil. Denn es bedeutet weniger wettbewerbsrechtliche Probleme. Zusammen mit dem Segment der UBS käme ein fusionierter Konzern im Bereich des Investmentbankings und der Vermögensverwaltung mit der DWS in den USA auf Rang vier, was die Erlöse angeht. In Europa wäre man ohnehin die Nummer eins. Aber eigentlich wollte die Deutsche Bank ja nicht der Gejagte sein, sondern zum Jäger in der Konsolidierungswelle werden. Die Regulierer versuchen gerade, grenzüberschreitende Übernahmen zu erleichtern, einfacher sind derzeit noch nationale Szenarien. Wider Erwarten könnte deshalb doch eine Hochzeit mit der Commerzbank 2021 erneut ein Thema werden.

Nachdem Commerzbank-CEO Martin Zielke zusammen mit Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann im August hinschmiss, ist das Führungsvakuum mittlerweile wieder geschlossen. Im Januar fängt Manfred Knof, der Leiter des deutschen Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank, als neuer CEO an. Zielke hat ihm einen Plan für ein neues Sparprogramm hinterlassen, das er selbst nicht mehr umsetzen konnte: 10.000 Stellen – ein Viertel aller Jobs – streichen und den Großteil der verbleibenden 800 Filialen schließen. Kostenpunkt: 1,3 Milliarden Euro. Bisher sollten bis 2023 rund 600 Millionen eingespart werden, weitere 500 Millionen könnten somit hinzukommen.

Die regulatorischen Anforderungen an die Mindestausstattung beim Eigenkapital wurden für die Commerzbank gesenkt. Bei einer harten Kernkapitalquote von 13,5 Prozent (Stand: Q3/2020) hätte man reichlich Spielraum für weitere Restrukturierungskosten oder Kreditausfälle. Die untere Grenze der Aufsicht liegt für 2021 bei 9,53 Prozent, was theoretisch mehr als sieben Milliarden Euro Puffer ergibt. Eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Umbaus ist damit eher unwahrscheinlich. Bedrohlicher ist hingegen eine Übernahme, und zwar dann, wenn Knof mit der Sanierung scheitert. Auch wenn es aufgrund der Pandemie derzeit gerade dort Probleme gibt, ist die starke Stellung der Commerzbank im Firmenkundengeschäft für viele Konkurrenten attraktiv – zum Beispiel für die Deutsche Bank. Der letzte Anlauf für eine Fusion 2019 scheiterte zwar an Umsetzungsrisiken und Fragen der Kapitalausstattung. Doch die EZB hat ihre Haltung hier geändert. Banken können bei einer Übernahme unter bestimmten Bedingungen den Badwill in die Risikovorsorge einbringen oder für Sanierungskosten nutzen. Der Badwill ergibt sich beim Kauf eines Konkurrenten als Differenz zwischen Buch- und Marktwert.

Die Commerzbank handelt mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von nur 0,23 und liegt damit rund 75 Prozent unter dem Marktwert des Eigenkapitals. Theoretisch ergibt sich damit ein Badwill von mehr als 18 Milliarden Euro, einer der höchsten in der Branche. Das macht den Konzern trotz der aktuellen Probleme sehr attraktiv für eine Übernahme. Will die Deutsche Bank beispielsweise daran festhalten, dass der Einfluss des Investmentbankings sinkt, ließe sich die Abhängigkeit mit einer Commerzbank- Übernahme reduzieren. Der Umsatzanteil der Sparte könnte von rund 30 auf 20 bis 23 Prozent sinken. Darauf verweisen die Experten von Morgan Stanley.

,Sanierungserfolg oder Übernahme 2021 ergeben sich bei beiden Banken zahlreiche Chancen, sie könnten deutliche Sanierungspotenziale heben. Steigende Kreditausfälle sollten Anleger dagegen im Blick behalten. Mutige können jetzt schon zugreifen.

 

Kommentare