Zurück zur Natur?


 Oder doch alle Hoffnung auf technologischen Fortschritt setzen? Allein führt keine der Strategien zum Ziel. Im Kampf gegen den Klimawandel braucht es beide Ansätze.

Normalerweise würde ich mich in diesen Wochen auf das Weltwirtschaftsforum in Davos vorbereiten. Doch in diesem Jahr ist eben alles anders. Das Gipfeltreffen in der Schweiz ist immer inspirierend und bescherte mir im letzten Jahr eine wichtige Erfahrung, die vieles veränderte: Ich durfte mich wie ein Baum fühlen. Bei einer Virtual-Reality-Vorführung bekam ich die Chance, selbst zu erleben, wie er wächst, lebt und stirbt. Es war erstaunlich zu sehen, wie Technologie in der Lage ist, so etwas nahezubringen, unser ökologisches Bewusstsein neu auszurichten und sogar nachhaltigeres Verhalten zu fördern. Viele Experten sehen darin die Lösung für globale Klimaprobleme. Dem Ansatz „Technologie wird uns retten“ steht allerdings in vielen Debatten eine Neu-Interpretation des „Zurück zur Natur“-Gedankens konträr gegenüber.

 Aber besteht dieses Spannungsfeld wirklich? Es stimmt, dass technologische Innovationen das Potenzial haben, unseren ökologischen Fußabdruck wesentlich zu reduzieren und in Teilen sogar rückgängig zu machen. Es gibt beispielsweise neue Verfahren zur Abscheidung und Speicherung von CO2 – auch wenn sie nicht unumstritten sind. Gleichzeitig sind aber naturnahe Lösungen ebenso unerlässlich. Sonst werden die Bemühungen um wirksame Veränderung erfolglos bleiben. Lange dachten zahlreiche Fachleute, dass der einzige Weg zur Bekämpfung des Klimawandels die Reduzierung der Treibhausgasemissionen und die Abschaffung der fossilen Brennstoffe sei. Heute wissen wir allerdings: Es muss mehr getan werden. Das Schützen und Wiederherstellen natürlicher Habitate reicht beispielsweise schon aus, um immerhin 30 Prozent der Treibhausgaseinschränkungen zu schaffen, die es braucht, um den durchschnittlichen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das erklärte Ziel. Bei Procter & Gamble lag der Fokus immer auf technologischen Lösungen. Heute findet aber ein dringend notwendiges Umdenken statt. Wir investieren inzwischen in beide Bereiche. 

Denn die kleinen, alltäglichen Maßnahmen sind die stärksten Triebkräfte des Wandels. Also das, was die Menschen zu Hause tun, um Wasser zu sparen, weniger Energie zu verbrauchen oder nicht mehr so viel Müll zu verursachen. Hier können Unternehmen und Konzerne mit Produkten für einen nachhaltigeren Alltag einen entscheidenden Beitrag leisten. Gleichzeitig muss man der Erde die Chance geben, sich zu erholen. Wir fördern, gemeinsam mit verschiedenen Partnern, Lösungen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Natur. Zu den ersten Projekten gehören das Bewahren der Mangrovenwälder auf den Philippinen, der Schutz des Regenwaldes in Brasilien und die Wiederaufforstung in Nordkalifornien. Ebenso in Nordsachsen. 

Alles muss Hand in Hand gehen. Die Initiative „50 Liter Home“ ist ein Beispiel, wie sich Technologie und ein natur - bewusster Ansatz ergänzen können. Es ist der Versuch, der Wasserknappheit entgegenzuwirken und gleichzeitig den Energieverbrauch der Haushalte zu senken. Dabei sollen Produkte entwickelt werden, die den Wasserverbrauch von den dur chschnittlichen 500 Litern am Tag auf 50 Liter verringern, ohne den Nutzer einzuschränken. Haarpflegeprodukte beispielsweise, die weniger Wasser erfordern. 

Ein anderes Beispiel: Mehr als 85 Unternehmen und Organisationen arbeiten daran, eines der größten Hindernisse beim Recycling zu überwinden: die ineffektive Müllsortierung. Sie entwickeln ein digitales Wasserzeichen, das einfache Verpackungen in „intelligente Objekte“ verwandelt. So klappt die Trennung zuverlässig. Um die komplexen globalen Probleme zu lösen, vor denen die ganze Welt gerade steht, braucht es Kreativität, Unvoreingenommenheit und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Neuartige Technologie und der Wunsch, die Natur zu bewahren, sind Positionen, die sich nicht nur bestens ergänzen. Ohneeinander kommen sie nicht aus, wenn wir als Unternehmen entschieden gegen den Klimawandel ankämpfen wollen. Für eine nachhaltigere Zukunft müssen wir beides in Einklang bringen.

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