BROKERVERGLEICH

Seit dem Frühjahr 2020 steigt die Zahl der Aktionäre deutlich. Die Onlinebroker reagieren. Worauf Anleger achten sollten.

Videokonferenz-Anbieter, Essenslieferanten und Impfstoffentwickler gehören zu den großen Profiteuren der Coronakrise. Das Virus schafft aber auch, was Schulen, Medien, Banker und Politiker seit Jahrzehnten ziemlich erfolglos versuchten: Deutschlands Sparer entdecken die Börse. Eine repräsentative Studie der „Aktion pro Aktie“ hat ergeben, dass der Anteil der Aktienbesitzer hierzulande bis zur Jahresmitte um fünf Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist. Gut ein Drittel aller Deutschen besitzt demnach Aktien. Hinter der Aktion stecken drei Branchengrößen: Die Direktbanken Comdirect, Consorsbank und ING Deutschland machen sich so seit etwa fünf Jahren für eine bessere Aktienkultur in Deutschland stark. Ein Grund für das steigende Interesse an Aktien sind neben den teils deutlichen Kursgewinnen die anhaltend niedrigen Zinsen. Während als „sicher“ geltende Anlagen wie Anleihen oder Festgeld eher Geld kosten als welches abwerfen, winken bei Aktien hohe Renditen. Nach dem Corona- Crash im März griffen auf dem gedrückten Niveau vor allem jüngere Anleger zu. Die Gruppe bis 35 Jahren scheint mit der Unsicherheit über die wirtschaftliche Zukunft und dem Risiko von zwischenzeitlichen Verlusten – anders als das Gros der Deutschen – keine Probleme zu haben.

Große Profiteure dieser neuen Nachfrage sind die Onlinebroker. Fast alle verzeichneten vor allem im Frühjahr überdurchschnittlich viele Depoteröffnungen. Die Zahl der Transaktionen hat sich bei einigen Anbietern mehr als verdoppelt, etwa beim S-Broker. Bei der Consorsbank wurde ein 15-Jahres-Hoch erreicht. Offenbar sind viele der etwa fünf Prozent neuen Aktienkäufer sehr kurzfristig orientiert. Die jungen, wenig erfahrenen Aktienkäufer nutzen oft nicht die großen, alteingesessenen Broker mit ihrem umfangreichen Angebot, der guten Erreichbarkeit und hohen Qualität – sondern Handy-Broker mit stark eingeschränktem Angebot. Geschäftsmodell oder Aktienanalyse interessieren sie kaum, sie folgen einfach der Masse und kaufen die aktuell begehrtesten Aktien und gehen oft nach wenigen Tagen wieder raus – nicht selten mit Verlusten. Das Zocken wird begünstigt, seitdem Neobroker wie Gratisbroker, justTrade oder Trade Republic hierzulande ihre Dienste anbieten. Eine Order via App kostet oft nur einen Euro oder noch weniger. Vor allem für tradingaffine Anleger, die ihre Anlagen häufig umschichten, sind die Ordergebühren für die Rendite ihrer Geschäfte entscheidend.

Die etablierten Broker reagieren. Die Consorsbank hat zum Beispiel ein Angebot namens „Young Trader Zero“ für Kunden bis zu 25 Jahren gestartet. Zwei Jahre lang können die jungen Leute kostenlos Wertpapiere kaufen und verkaufen. Der Onlinebroker flatex will neue Kunden mit seiner neuen App „flatex next“ gewinnen. Das Traden für jedermann soll nun noch einfacher werden. Die Kundenführung wurde übersichtlicher, der Kontoeröffnungsprozess vereinfacht. Die Anleger sollen vor allem Aktien und ETFs handeln. Gemeinsam mit dem zum 1. August übernommenen Broker DEGIRO will flatex die Poleposition im europäischen Brokermarkt weiter ausbauen. (siehe auch S. 146)

Anleger hierzulande haben die Qual der Wahl. Ein Vergleich unter den Anbietern ist aufgrund unterschiedlicher Gebührenmodelle sowie Handelsangebote praktisch unmöglich. Den einen besten Broker für jeden Anlegergeschmack gibt es nicht. Obige Auswahl von zehn Onlinebrokern bietet aber eine Orientierung im Broker-Dschungel. Wer ein breites Angebot zum regelmäßigen Sparen möchte, mit Aktien, Fonds, Zertifikaten, Sparplänen, und auch an Auslandsbörsen handeln will, Analysetools und Marktinformationen braucht und spekulative CFD-Geschäfte tätigen möchte, kommt um die großen Generalisten nicht herum.

Wem hingegen ein paar wenige Werte zum häufigen Trading genügen, wer auf Xetra-Kurse verzichten kann, wird sein Glück vielleicht bei den Neobrokern finden. der aktionär hilft auf jeden Fall, die aussichtsreichsten Investments zu finden.

 

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