DER TEMPOMACHER

Tesla ist und bleibt der Trendsetter im Bereich E-Mobility. Neue Firmen werden in Rekordtempo hochgezogen, 2021 kommt das Mainstream-Auto.

Eigentlich ist ein Gewerbegebiet nicht unbedingt einladend, geschweige denn ein schöner Anblick . Tankstellen, Imbissbuden und große, fade Hallen säumen die Straßen. Ausflügler oder Schaulustige sind eher selten anzutreffen. Ein ganz anderes Bild zeigt sich in Grünheide in Brandenburg. Seitdem Tesla seine Gigafactory aus dem Boden stampft, parken Schaulustige ihre Autos in der Nähe der Autobahn, machen Fotos oder laufen mit ihren Handys am Bauzaun entlang. Tesla ist neu, magisch, anziehend. Hier entsteht die Zukunft.

Tesla will in seiner neuen Fabrik in Grünheide nicht einfach nur Elektroautos und Batterien bauen. In der Giga Berlin sollen auch Batterien hergestellt werden, die größer und leistungsfähiger sind als diejenigen, die bislang am Markt verfügbar sind. Leistungsfähigere Batterien waren bereits bei Teslas „Battery Day“ im September in Fremont (USA) ein großes Thema. Jedoch hatte Elon Musk die Hoffnungen auf einen unmittelbaren Durchbruch zu dem Zeitpunkt noch gedämpft. „Tesla hat die Batteriezelle als strategische Komponente identifiziert und wird da Sprünge machen. 

Der Tesla mit 1.000 Kilometern Reichweite wird kommen“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut gegenüber dem aktionär. Elon Musk und sein Team könnten mit einer neuen Batterietechnologie ihre Innovationsfähigkeit und Ausnahmestellung im Bereich Elektromobilität untermauern. Tesla ist und bleibt der Tempomacher im Bereich E-Mobility. Bis 2025 will Tesla einen Elektroflitzer zum Schnäppchenpreis von 25.000 Dollar anbieten. „Elon Musk ist ein Manufacturing Guy und ist verrückt auf hochautomatisierte Maschinen. Genau das erlaubt ihm, wenn seine Kostenschätzungen stimmen, das 25.000-Dollar-Auto. 

Genau damit ist er dann im Kompaktwagensektor und kann Scales schaffen, die ihm deutlich mehr als zwei Millionen Autos pro Jahr erlauben“, sagt Dudenhöffer. Nur wenige Unternehmen auf der Welt haben diese Innovationsgeschwindigkeit wie Tesla. Software, autonomes Fahren, neue Fabriken im Rekordtempo – Tesla verändert die Autobranche. Aber Tesla ist mit einem Börsenwert von aktuell 538 Milliarden Dollar sicherlich kein Schnäppchen mehr. Jedoch könnte das auf Sicht von mehreren Jahren gesehen das untere Ende der Bewertungsspanne für Tesla darstellen. Tesla ist eine „Datenschleuder“. Die 1,2 Millionen Autos, die rund um den Globus ihre Runden drehen, sammeln mit jedem Kilometer unzählige Daten. Diese kann Tesla abgreifen und analysieren. Gegebenenfalls kann die Software verändert beziehungsweise durch neue Updates verbessert und OTA, Over the Air, über Nacht auf das Auto aufgespielt werden. 

Darüber hinaus können die Autohersteller in Zukunft eigene Produkte wie Versicherungen oder Infotainment- Programme anbieten. Schließlich wissen Hersteller wie Tesla ganz genau, wie und wann das Auto von wem gefahren wird. Personalisierte Lösungen zuzuschneiden dürfte also in Zukunft das geringste Problem sein. Hohe Zusatzeinnahmen sind also fast vorprogrammiert. Das geht aber nur, weil Tesla es geschafft hat, das Auto rund um die Software zu bauen – und nicht umgekehrt, wie es derzeit noch bei VW, BMW und Daimler der Fall ist. In Zukunft entscheidet also die Software, ob die Hersteller Richtung Apple der Autobranche mutieren oder zu einer Foxconn, sprich einer Art „Blechbieger“, verkommen.

Nio: Up, up and away Die beiden chinesischen Elektroauto-Start- ups Nio und XPeng sind auf einem ähnlich guten Weg wie Tesla. Die Nio-Aktie kommt im laufenden Jahr auf ein Plus von 1.200 Prozent. Zu Recht. Der Elektroauto-Hersteller lieferte im Oktober 5.055 Autos aus. Rekord! Bislang lieferte Nio 2020 31.430 Fahrzeuge aus – ein Plus von 111 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nio erinnert in gewisser Art und Weise an Tesla in einem sehr frühen Stadium. Neue Modelle, das Akkuwechsel-Konzept und der Aufbau eines eigenen Ladenetzwerks sprechen für den Newcomer aus China. Mit dem ES8, dem ES6 und dem EC6 hat Nio bislang drei Modelle ausgerollt. Insgesamt hat Nio bislang über 40.000 Elektroautos verkauft. Gespannt dürfen Anleger auf den 9. Januar sein. An diesem Tag veranstaltet der Elektroautobauer den „Nio Day“. Gut möglich, dass das Team zusammen mit Vorstand William Li dann sein viertes Elektromodell vorstellt (siehe Seite 100). Darüber hinaus will Nio bald den europäischen Markt aufmischen. Der Markteintritt ist für das erste Quartal 2021 geplant. Auch in puncto Software liegt Nio gut im Rennen. Fast die Hälfte aller Beschäftigten von Nio arbeitet an eigenen Software-Produkten. 

Des Weiteren ist Nio weit fortgeschritten, was autonomes Fahren angeht. Derzeit tüftelt das Team im Silicon Valley an seinen selbstfahrenden Stromern. „Wir glauben, dass Nio ein langfristiger Gewinner im Premium-EV-Bereich sein wird, mit 30 Prozent Marktanteil bis 2025“, sagt Analystin Rebecca Wen von JPMorgan.

 

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